Eltern fordern Reform des Kita-Gesetzes
Braunschweig Über 600 Braunschweiger haben bei der niedersachsenweiten Volksinitiative schon unterschrieben, weitere Unterschriften werden noch gesammelt.
Julia Herrmann freut sich: „600 Unterschriften haben wir bereits und täglich werden es mehr.“ Seit rund zwei Monaten sammeln die Vorsitzende des Stadtelternrats der Kindertagesstätten und ihre Mitstreiter Unterschriften für eine Kita-Volksinitiative. Diese fordert: mehr qualifiziertes Personal für die Krippen und Kitas, damit diese mehr Zeit haben, sich um die einzelnen Kinder zu kümmern.
Kommende Woche übergeben die Braunschweiger ihre bis dahin gesammelten Unterschriften an die Stadt. Warum an die Stadt? „Weil man bei einer Volksinitiative dort unterschreiben muss, wo man wohnt – und die Stadt überprüft das“, erklärt Mutter Liga Schmidt. Nächste Woche ist aber nicht Schluss mit Sammeln, erst im September 2013 werden alle Unterschriften gezählt und dem Landtag überreicht. Bis dahin müssen 70 000 Bürger aus Niedersachsen unterschrieben haben. Erst dann ist der Landtag gezwungen, sich mit der Forderung der Eltern zu beschäftigen.
„Mit dem jetzigen Betreuungsschlüssel bleibt den Erzieherinnen kaum Zeit, sich um die einzelnen Kinder zu kümmern“, erklärt Karin Matthias, zuständig beim Roten Kreuz für den Fachbereich Kinder, ihr Anliegen. „Gerade aber im Krippen- und Kita-Alter sind Kinder besonders wissbegierig – und die Erzieherinnen wollen ihnen ja auch etwas beibringen. Das geht aber nicht, wenn bei zwei Mitarbeiterinnen die eine den ganzen Tag nur mit wickeln und füttern beschäftigt ist“, ergänzt Mutter Liga Schmidt. Für die Frauen ist klar: Es wird sich nur etwas ändern, wenn es einen verbindlichen neuen Betreuungsschlüssel gibt, der dann auch im Kita-Gesetz steht. „Seit Jahren wird immer nur davon geredet, wie wichtig die Bildung unserer Kinder ist“, kritisiert Herrmann. Die Standardantwort, dass für mehr Personal kein Geld da sei, lässt die dreifache Mutter nicht mehr gelten. „Wenn die Politik die Prioritäten anders setzen würde, wäre auch das Geld für mehr Erzieherinnen da“, sagt sie. „Wir sind schließlich eine Demokratie und die Politiker unsere Vertreter, also sollten sie auch auf das hören, was die Mehrheit der Bürger will und danach handeln“, sagt die Mutter.
Was wird konkret gefordert? Bisher sieht es das Kita-Gesetz vor, dass zwei Erzieherinnen sich um 25 Kinder in einer Kita und um 15 Kinder in einer Krippe kümmern. In der Praxis bedeute das, dass den Erzieherinnen pro Stunde für jedes Kind höchstens 3 Minuten verbleiben, rechnen die Initiatoren der Volksinitiative vor. Sie fordern, folgenden Betreuungsschlüssel im Kita-Gesetz zu verankern:
• eine Erzieherin für drei Kinder, wenn die Kinder jünger als anderthalb Jahre alt sind
• eine Erzieherin für vier Kinder, wenn diese zwischen anderthalb und drei Jahre alt sind
• eine Erzieherin für sieben Kinder, wenn sie älter als drei Jahre alt sind.
Posierten für das Foto und haben gemeinsam wochenlang fleißig Unterschriften für die Kita-Volksinitiative gesammelt (von links): Julia Herrmann, Philip (5), Lea (8), Karin Matthias, Mutter Liga Schmidt mit Rimand (5), Smilla (2) mit Mutter Annette Schumacher und Kira (4).
