Ein Hilfeschrei: Klosterkirche in finanzieller Not
Braunschweig In einem Brief appelliert die Kirchengemeinde an die Mitglieder der Landessynode, die übergemeindlichen Angebote der Klosterkirche zu finanzieren.
„Sonst werden diese Angebote künftig nicht mehr zu gewährleisten sein“, befürchten Christiane Daunert und Georg Renz, Sprecher des Kirchenvorstands der Kirchengemeinde Riddagshausen-Gliesmarode.
Die finanzielle Notlage sei eine Folge der veränderten landeskirchlichen Gemeindefinanzierung. Das Finanzausgleichsgesetz (FAG) trat im Mai in Kraft und orientiert sich bei der Zuwendung der Mittel u.a. an der Zahl der Gemeindemitglieder – und die sind in Riddagshausen spärlich: rund 450. Im nächsten Jahr werde das Defizit der Klosterkirche immerhin schon 50 000 Euro betragen, rechnet der Kirchenvorstand vor; bis 2017 fehlten dann rund 85 000 Euro jährlich gegenüber dem bisherigen Haushalt.
Die Klosterkirche zähle aber aufgrund der hohen Besucherzahl – bis zu 50 000 Menschen im Jahr – zu den sogenannten Leuchtturmkirchen der Landeskirche, betonen Daunert und Renz. Und damit sieht der Kirchenvorstand auch die Landeskirche in der Verantwortung.
Kirchen werden von der Landeskirche als Leuchtturmkirchen definiert, wenn sie Menschen aus einem weiten Umkreis anziehen, weil sie entweder bedeutende Kulturgüter darstellen, eine besondere Lage aufweisen oder mit einer großen Geschichte verbunden sind. In der Landeskirche sind das: Braunschweiger Dom, Kaiserdom in Königslutter, Kloster Walkenried, Marktkirche in Goslar, Stiftskirche in Gandersheim – und eben die Klosterkirche Riddagshausen.
„Diese Kirchen sind nicht wertvoller als andere“, stellt Renz klar, „aber allen ist gemein, dass sie von sehr vielen Menschen besucht werden, somit die Landeskirche auf besondere Weise nach außen repräsentieren und ein Aushängeschild sind.“ Die erfreulich vielen Besucher seien aber eben auch gleichbedeutend mit vielen Herausforderungen, Chancen und Aufgaben. „All diese Menschen stellen ein großes Potenzial dar, dem Kirchenvorstand und Pfarrer seit Jahrzehnten Rechnung tragen, indem wir sie in den Mittelpunkt gestellt haben: Mit Führungen, Schriften, niedrigschwelligen Gottesdiensten, Konzerten und anderen Veranstaltungen versuchen wir, Menschen, die der Kirche fern stehen oder denen sie gleichgültig ist, für den Glauben zu interessieren“, betonen Daunert und Renz. „Mit einem besonderen Angebot an Amtshandlungen, mit ausgedehnten Büroöffnungszeiten und einem großen Service versuchen wir immer wieder, gute Gründe zu geben, in der Kirche zu bleiben.“
Aber dafür brauche es eben auch Personal. „Wir brauchen einen Küster, der die tägliche Öffnung sicherstellen kann, Sekretärinnenstunden, um die Vielzahl von Anfragen zu bewältigen, hauptamtliche Kirchenmusiker für die Gottesdienste, die vielen Konzerte und Veranstaltungen, wir brauchen Geld, um die Klosterkirche beheizen zu können, und ganz besonders brauchen wir eine ganze Pfarrstelle, um dies alles theologisch und seelsorgerisch zu begleiten.“
Der Kirchenvorstand hofft, dass die Landessynode ein Einsehen hat und bei der nächsten Zusammenkunft am 16./17. November entsprechend reagiert. Der Brief an die Synodalen wurde am Wochenende zugestellt und endet mit den Worten: „Wir erbitten dies für die Arbeit an den Menschen, die sich von der Kirche entfernt haben, die wir aber immer noch erreichen können.“
Kommentar:
Kein Leuchtturm ohne Feuer
Von Ann Claire Richter
Ich kenne Pärchen, die herzlich wenig mit der Kirche am Hut haben, aber unbedingt in Riddagshausen heiraten wollten. Weil’s da so herrlich romantisch ist. Da wird der vielbeschworene „schönste Tag im Leben“ auch optisch optimal umrahmt. Rund 40 Trauungen im Jahr. Da kommt der Pastor an den begehrten wonnigen Maiwochenenden schon mal ins Schwitzen. Oft stammt im Jahr nur ein einziges Pärchen aus Riddagshausen.
Und Weihnachten erst: Da strömen manchmal 3000 – mehr oder weniger – Gläubige heran. Ja, diese Kirche mit ihrem traumhaften Ambiente hat Anziehungskraft, und die Landeskirche wäre klug beraten, mit diesem Pfund zu wuchern. Tut sich ja ohnehin schon schwer, ihre Schäfchen bei der Stange zu halten.
Beim Hansetag 2005 hat Landesbischof Friedrich Weber im Dom über Kirchen als ,Leuchttürme des Glaubens‘ gepredigt: „Schlimm ist es, wenn in den Leuchttürmen des Glaubens alles Mögliche passiert, nur nicht mehr das Licht des Evangeliums brennt“, hat er da gesagt. Schlimm sei es, wenn sie zu Museen würden, die nicht mehr Anteil an der Glut der Liebe Gottes hätten. „Dann sind sie gefährlich, weil sie Menschen in die Irre führen, sie allein lassen auf der Fahrt über das Meer des Lebens. Dann sind sie wie Leuchttürme, deren Feuer erloschen ist, deren Scheiben und Spiegel stumpf sind.“
Ja, und Riddagshausen ist für die Landeskirche eben so etwas wie der Leuchtturm „Roter Sand“. Etwas ganz Besonderes. Die Synodalen dürfen sich auch vom Feuereifer der vielen Ehrenamtlichen entflammen lassen. Ob Kulturpaten, Klostergartenführer oder Rentner, die Kinder in die Kunst mönchischer Kalligrafie einführen: Die leben den Leuchtturm-Gedanken im besten Sinne.

