Der Fluch der Digital-Technik
Braunschweig Organisatorische Widrigkeiten: Das Braunschweig Filmfest hat mit der Verschlüsselung der Filme zu kämpfen.
Ein Prozess, der nicht nur Chancen bietet, sondern durchaus auch Probleme bereitet: die Digitalisierung des Kinos. Auch das Filmfest Braunschweig hat damit zu kämpfen. „Die neue Technologie stellt Festivalmacher wie Kinobetreiber vor große technische und finanzielle Herausforderungen“, hatte Volker Kufahl, künstlerischer Leiter des Internationalen Filmfests Braunschweig, zur Eröffnung am Dienstag gesagt.
Waren im vergangenen Jahr nur die Hälfte aller Filme des Festivals digital, sind es in diesem Jahr bereits 80 Prozent. „Und im nächsten Jahr werden es 95 Prozent sein“, prognostiziert Kufahl.
Die Vorteile der Digitaltechnik liegen nicht nur in der deutlich verbesserten Bildqualität, – keine Laufstreifen mehr, keine Schrammen, keine Bildsprünge – sondern auch im preisgünstigeren Kopiervorgang. Statt in 20 bis 30 Kilogramm schwere Rollen passt ein Film heute oft schon auf einen USB-Stick. Der Eröffnungsfilm am Dienstag war eine Premiere: der erste Filmfestauftakt als DCP – Digital Cinema Package. Handlich wie ein Erste-Hilfe-Koffer, aber eben auch tückisch. „Denn ohne einen digitalen Schlüssel, den man vom Verleih bekommt, lassen sich diese Dinger überhaupt nicht abspielen“, so Kufahl. „Was man aber auch noch braucht ist die entsprechende Hardware, die passende Software – und wenn’s den Herstellern passt, auch noch ein Update.“
Filmfest-Mitarbeiterin Sylvia Franzmann kann ein Lied von System-Abstürzen singen: „Je komplexer die Technik, umso anfälliger ist sie für Störungen.“
Er habe Verständnis für das große Sicherheitsdenken der Verleiher aus Angst vor Raubkopien, aber für das Festival bedeutet die Verschlüsselung ganz konkrete Erschwernis der Arbeit, sagt Kufahl. Für die mehr als 100 digitalen Filme bräuchten die Festivalmacher entsprechend viele Schlüssel, die an einen Tag, eine Uhrzeit und einen speziellen Server im Kinosaal gebunden seien.
Auch müssten viele Filme online gesichtet werden. Das sei extrem zeitaufwändig. „Wir werden allein für die neuen technischen Anforderungen einen Mitarbeiter brauchen“, ist sich Kufahl sicher. Beim Filmfest in Berlin gebe es inzwischen dafür eine eigene Abteilung. „Wir stecken hier noch in den Kinderschuhen.“
Von der neuen Technik profitierten vor allem die Verleiher, „für uns ist sie momentan nur mit zusätzlichen Kosten verbunden“, betont Kufahl. Er wünscht sich von den Verleihern, dass sie zur Filmsichtung für das Festival wieder DVD zur Verfügung stellen. „Das wäre nicht nur sehr viel praktischer für interessierte Medienvertreter, sondern auch für unsere Sichtungsteams, die die DVD früher untereinander bequem austauschen konnten.“ Als Kinobetreiber des Universum sei er sehr froh, dass die Filmförderungsanstalt des Bundes und die Filmförderungen der Länder die kleinen und mittleren gewerblichen Kinos, die die teure Investition aus eigener Kraft nicht stemmen könnten, bei der Umstellung großzügig unterstützten. „Aber für die Filmfestivals gilt das nicht, obwohl auch sie mit erheblichen zusätzlichen Kosten durch die Digitalisierung zu kämpfen haben“, hatte Kufahl zur Eröffnung beklagt.
Nachdem acht niedersächsische Festivals, darunter Braunschweig, im Mai darauf aufmerksam gemacht hatten, habe die Landesregierung das Thema auf die Tagesordnung gesetzt. „Festivals, Staatskanzlei und Nordmedia sind jetzt im Gespräch, bisher liegt allerdings noch keine konkrete Lösung auf dem Tisch.“

