Den Kreislauf der Armut durchbrechen
Braunschweig Seit zwei Jahren leitet die Braunschweigerin Sabine Kraus in Thailand ein Internat für bedürftige Kinder.
„Eine neue Leidenschaft, eine sinnstiftende Aufgabe“ – so beschrieb Sabine Kraus vor knapp zwei Jahren auf diesen Seiten den Grund für ihren Aufbruch nach Thailand. Am Internat für Waisenkinder Yaowawit in Kapong wollte sie Opfern der Tsunami-Katastrophe von 2004 zu guter Bildung verhelfen – und ihnen damit eine Perspektive für die Zukunft bieten. Zurück ließ die Braunschweigerin ihr Leben als erfolgreiche Marketing-Fachfrau, unter anderem für Milka-Schokolade.
Eine praktische und lebensnahe Ausbildung
Jetzt war Sabine Kraus für einige Wochen zurück in Braunschweig. Die Leidenschaft ist geblieben. Sie berichtet schon von ihrer Arbeit, bevor die erste Frage gestellt werden kann. Dass die Kinder in Yaowawit eine Ausbildung fürs Leben bekommen sollen, dass sie neben dem Schulstoff auch Ackerbau auf der schuleigenen Farm und das Hotelgewerbe in einem angeschlossenen Gasthaus lernen.
„Durch den Kontakt mit unseren ausländischen Gästen bleiben die Kinder offen und aufgeschlossen“, erklärt Kraus das Konzept. Darüber hinaus erweiterten Farm und Hotel das ansonsten vor allem von Spenden getragene Budget der Schule.
Das Interesse in Kraus‘ Heimatstadt an Yaowawit war groß nach dem ersten Artikel im Mai 2011. Leserbriefe, Bewerbungen für Freiwilligenarbeit – Bürger aus Mascherode spendeten einen Teilerlös des Weihnachtsmarkts.
„Von dem Geld haben wir gebrauchte Mountainbikes gekauft“, berichtet Sabine Kraus und erzählt: „Wir haben einen Fahrrad-Club, der die Räder wartet und zu Touren in der Region startet. Unsere Gäste können mit den Fahrrädern zum Beispiel zu heißen Quellen und Wasserfällen in der Nähe fahren.“
Hotel, Bauernhof, Fischfarm – ein kleines Unternehmen
All das ist nur ein Bruchteil der vielfältigen Aktivitäten, die die Braunschweigerin für ihr Herzensprojekt organisiert. Hinzu kommt die Kooperation mit internationalen Schulen in ganz Asien, die für Projektwochen Schulklassen nach Yaowawit schicken, Volontäre aus Deutschland, Patenschaften, Sponsoring durch große Unternehmen.
Die Firma Bosch hat Werkzeugkisten gespendet und entsendet alle sechs Wochen einen Auszubildenden, der mit den Schülern ein größeres Bauprojekt umsetzt. Derart praktische Arbeit ist Teil des Schulkonzepts. „Raus aus der Armut“, wünscht sich Kraus für ihre Schützlinge. Ob auf dem Feld, im Hotel, in der schuleigenen Fischfarm oder beim Werken – die Schüler sollen nützliche Fähigkeiten für die Gestaltung ihrer Zukunft erlernen.
Tiger ist einer dieser Schüler. Seit sein deutscher Vater vor zwei Jahren starb, lebt er in Yaowawit. „Als er zu uns kam, hat er viel geweint“, erinnert sich Kraus. Mittlerweile sei er regelrecht aufgeblüht. Er lerne schnell, habe großes Potenzial.
Um seinen Horizont zu erweitern und weil er sehr anpassungsfähig sei, habe sie ihn mit nach Braunschweig gebracht. Hier sei alles anders, erzählt der Junge auf Englisch. Die Menschen, das Wetter, das Essen. Das mag er besonders. „Ich liebe Käse, Schinken und Wurst“, sagt Tiger. Das gäbe es in Thailand nicht.
Yaowawit erweitert den Horizont der Kinder
In seiner Freizeit beschäftigt er sich mit Fotografie und Computern. Er erstellt Diashows über Yaowawit, schneidet kleine Filmsequenzen zusammen und hat sogar schon ein eigenes Musikvideo gedreht. Auch im Hotel der Schule arbeitet er gern.
Früher wollte er Kellner werden, sagt Kraus. Jetzt möchte er aber erst einmal die Welt sehen. Seit er das Internat besucht, sind auch seine Ziele größer geworden. Nur kurz zögert er bei der Frage nach seinem Berufswunsch: „Hotelmanager“.
Fakten
Das Internat Yaowawit in Kapong, nördlich von Phuket, wurde im Mai 2006 von dem Unternehmer Graf Philipp von Hardenberg gegründet, um den Opfern der Tsunami-Katastrophe zu helfen. Mittlerweile wurde das Konzept erweitert. Die Schule nimmt auch Kinder aus zerrütteten Familien auf.



