Briefträger stöhnen: Paketmassen kaum noch zu bewältigen
Braunschweig Die Post wird am Sonntag in Braunschweig Weihnachtspäckchen ausfahren, weil die Paketmenge anders nicht mehr zu bewältigen ist.
Anfang des Monats hat die Post am Hauptgüterbahnhof eine neue Paketsortier-Anlage in Betrieb genommen. Päckchen sollen schneller zum Kunden kommen. „Und das klappt. Die Anlage hat alle Erwartungen übertroffen und läuft jetzt schon auf vollen Touren. Eine riesige Erleichterung“, berichtet Detlef Gafert, Betriebsratsvorsitzender Niederlassung Brief Braunschweig.
Und technische Unterstützung haben rund 220 Postboten und Paketauslieferer Braunschweigs offenbar nötig. Denn nie waren für sie die Wege zu Kunden weiter als heute.
Gafert: „Alles, was nicht in den Briefkasten passt – das wird von Jahr zu Jahr mehr – muss abgegeben werden. Eventuell wird beim Nachbarn geklingelt, oder das Päckchen muss sogar zurück in die Zentrale. Das alles bedeutet: zusätzliche Wege und jeder zusätzliche Weg kostet Zeit.“ Zehn Stunden plus Pause sei der Arbeitstag lang. Länger dürften Postboten nicht arbeiten. „Und diese Zeit ist bei Eis und Schnee kein Vergnügen. Außerdem sind die Packtaschen der Fahrräder schwer wie nie“, sagt Gafert.
War es im vergangenen Jahr die Rekordmenge von sechs Millionen Paketen täglich, so rechne die Post in diesem Jahr mit sieben Millionen Päckchen und Paketen, die an einem einzigen Tag befördert werden. Allein in Braunschweig werde sich laut Post die Tagesmenge auf 10 000 verdoppeln.
Um die Paketmenge überhaupt bewältigen zu können, wird die Post erstmals am dritten Advent Pakete zusätzlich ausfahren. Und wie in den beiden Vorjahren werden auch am vierten Advent die Paketauslieferer unterwegs sein. „Das geschieht zwar auf freiwilliger Basis. Aber fast alle Kollegen sind dabei“, berichtet Gafert.
Doch was bei der Post zu klappen scheint, sorgt bei den Dienstleistern offenbar für Probleme. Denn im Zuge der Privatisierung der Post wurde auch das Post-Filialnetz aufgeben. Was umgangssprachlich als Postfiliale bezeichnet wird, ist tatsächlich häufig eine Postbank. Das Unternehmen ist mittlerweile eine Tochter der Deutschen Bank. Andere „Filialen“ werden vom Einzelhandel betrieben.
Dort ist niemand exklusiv für Paketkunden da. Der Internet-Handel, von dem die Post erwartet, dass er in diesem Jahr für eine zweistellige Zuwachsrate bei den Paketbeförderungen und für ein neues Rekordergebnis bei der Paketzahl in der Weihnachtszeit sorgt, hat auch Konsequenzen für die Dienstleister. Häufig überlastet scheint die Postbank am Berliner Platz zu sein. Umbauarbeiten zum Brawo-Park haben außerdem dafür gesorgt, dass die Postbank sich in Containern befindet.
Doch auch in anderen Postbanken kommt es jetzt schon immer wieder zu langen Wartezeiten. Wobei der Kunde auch Glück haben kann. Die Postbank Goslarsche Straße war Freitag gegen 11 Uhr komplett leer. Zehn Minuten später füllten zehn Kunden die Filiale – und vor der Tür parkten die Autos in zweiter Reihe.
Dass es in der Vorweihnachtszeit zu längeren Wartezeiten bei der Paketabgabe und -ausgabe kommt, ist nicht neu und lässt sich offenbar auch nicht vollständig verhindern.
Damit aber den Kunden unnötige Wege und Wartezeit erspart bleibt, rät Post-Sprecher Jens Hogardt dazu, bei Bestellungen im Internet jetzt unbedingt eine Lieferadresse anzugeben, wo der Postbote einen Empfänger antrifft. Durch die hohe Paketzahl würden sich zudem die üblichen Auslieferzeiten verschieben.
