Braunschweig will wachsen – Landräte laufen Sturm
Braunschweig In Gemeinden der Landkreise Gifhorn, Peine, Wolfenbüttel und Helmstedt gibt es Überlegungen, sich Braunschweig anzuschließen. Doch die Landräte laufen Sturm.
Gifhorns Landrätin Marion Lau äußerte im Kreistag die Befürchtung, die südliche Samtgemeinde Papenteich könnte von Braunschweig „abgeworben“ werden. Und Günter Eichenlaub, Bürgermeister der zum Kreis Wolfenbüttel gehörenden Gemeinde Cremlingen, sagte am Montag unverhohlen: „Ich kann mir das gut vorstellen, dass wir zu Braunschweig gehören.“ Die Gymnasiasten seiner Gemeinde wollten eh weiter in Braunschweig zur Schule gehen und nicht in Wolfenbüttel.
Derzeit wird in den Landkreisen und Städten unserer Region darüber nachgedacht, mit welchem Partner sie fusionieren könnten. Schließlich hat das Land signalisiert, dass alle Unentschlossenen nach der Landtagswahl im Januar zu Fusionen gezwungen werden könnten, wenn ihre Gebietskörperschaften zu klein und schwach sind. Die starke Stadt Wolfsburg und der strukturschwache Kreis Helmstedt wollen bereits konkret über eine mögliche Fusion sprechen.
Doch es ist fraglich, ob bei solchen Fusionen die Flächenlandkreise wirklich komplett bleiben. Klaus Westphal, Bürgermeister der zum Kreis Helmstedt gehörenden Gemeinde Lehre, erklärte am Montag, dass es bei ihm sowohl Wolfsburg- als auch Braunschweig-orientierte Bürger gäbe: „Ich kann Ihnen keinen Trend mitteilen.“ Und Gert Albrecht, Bürgermeister der Gemeinde Wendeburg im Kreis Peine, kündigte für den Fall der von einem Gutachter empfohlenen Fusion der Kreise Hildesheim und Peine an: „Wenn es eine Kreisreform gibt, dann gucken wir in Wendeburg ganz klar nach Braunschweig und nicht nach Hildesheim.“
Die Landräte haben nun Angst um ihre Landkreise. „Ich werde den Landkreis nicht verscherbeln. Wir sind für seinen Erhalt zuständig“, sagte Gifhorns Landrätin Lau. Helmstedts Landrat Matthias Wunderling-Weilbier sagte am Montag: „Ich finde es nicht gut, Gebietskörperschaften zu filettieren.“ Und Wolfenbüttels Landrat Jörg Röhmann stellte klar: „Cremlingen kriegt keiner!“
Das letzte Wort wird der Landtag haben. In der Stadt Braunschweig gibt es nach Informationen unserer Zeitung das Interesse, angesichts von Fusionen in der Nachbarschaft nicht leer auszugehen – Braunschweig-nahe Orte sollen eingemeindet werden. Die Stadt äußerte sich gestern nicht. Braunschweigs Oberbürgermeister Gert Hoffmann will am Montag seine Pläne für die kommunale Zukunft unserer Region vorstellen. Nächsten Monat finden zudem zwei Leserforen zur möglichen Wolfsburg-Helmstedt-Fusion statt.
