Blindenverband sucht Ehrenamtliche
Braunschweig Wer plötzlich erblindet, für den bricht eine Welt zusammen. Gut, wenn es dann einen Ansprechpartner vor Ort gibt, der einem hilft.
Schon lange gibt es in Braunschweig deswegen eine regionale Niederlassung des Blinden- und Sehbehindertenverbands. „Doch zu viele Betroffene wissen nicht, dass es uns gibt“, sagt Gisela Wolters, Verbandsvorsitzende für Süd-Ost-Niedersachsen.
Gerne würde sie darum viel öfter in der Fußgängerzone mit einem Stand oder Flyern auf ihre Arbeit aufmerksam machen. „Doch es fehlt uns an sehenden Ehrenamtlichen, um solche Aktionen durchzuführen“, erklärt sie. Sie selbst, als blinde Frau, kann eine solche Aufgabe nicht allein bewältigen.
In dieser Woche finden in vielen Städten Aktionen statt, die auf die Arbeit der Blinden- und Sehbehindertenverbände hinweisen. Parallel dazu sammeln Ehrenamtliche Spenden für den Verband. Die Woche steht unter dem Motto „Inklusion“. Inklusion bedeutet übersetzt Teilhabe, konkret geht es dabei im Moment um das Thema Schule. In Niedersachsen dürfen Eltern ab 2013 wählen, ob ihr behindertes Kind eine Förder- oder eine Regelschule besuchen soll. „Das stellt alle vor eine große Herausforderung; Eltern, Kinder und Pädagogen“, ist Wolters überzeugt. Ein blindes Kind kann kein Schulbuch lesen oder sehen, was der Lehrer an die Tafel schreibt. „Damit ein blindes Kind am Regel-Unterricht teilnehmen kann, muss der Lehrer alles Geschriebene vorab in einen blindengerechten Computer eingeben“, erklärt die Braunschweigerin. Bislang gebe es jedoch in Niedersachsen kaum Lehrer, die entsprechend ausgebildet seien.
Ob die gemeinsame Beschulung für alle Kinder das Richtige ist, werde sich erst mit der Zeit herausstellen. „Fest steht aber, dass alle Menschen das Recht haben sollten, diese Entscheidung selbst zu treffen“, ist sie überzeugt. „Doch damit das klappt, muss sich gerade im Schulwesen noch eine Menge ändern.“
Sie selbst erlebe täglich, dass viele Sehende Berührungsängste gegenüber Blinden hätten. Ob an der Bushaltestelle oder an der Fußgängerampel, „nur selten wird man als Blinder oder Sehbehinderter gefragt, ob man Hilfe braucht“, erzählt sie. Dabei freuten sich die meisten darüber. Wenn alle Kinder gemeinsam zur Schule gingen, so Wolters, wäre das ein erster Schritt, diese Berührungsängste abzubauen.



