Amokprävention – Neues Sicherheitskonzept wird teurer
Braunschweig Alarmieren, orientieren, blockieren. In diesen drei Phasen führt die Stadt derzeit präventive bauliche Notfallmaßnahmen an den Schulen durch.
Drei Jahre hatte die Stadt ursprünglich für die bauliche Umsetzung des neuen Sicherheitskonzepts angesetzt. Nach dem Amoklauf 2009 in Winnenden wurde das Sicherheitskonzept daraufhin erweitert.
In einer Mitteilung für den morgigen Schulausschuss teilt die Verwaltung mit, dass das Projekt jetzt in vier Jahren realisiert werden soll. Der Grund: Der technische Aufwand ist größer als erwartet – und teurer wird es auch.
Die ursprüngliche Initiative für das Bauprojekt ging vom Kultusministerium aus. Die Behörde hatte 2005 die Schulen angewiesen, neue Sicherheitskonzepte zu erstellen. Die Stadt ist als Schulträger für die Umsetzung der baulichen Maßnahmen verantwortlich, die Schulen für die Erstellung des inhaltlichen Sicherheitskonzepts und die Präventionsarbeit. Die Stadt hat für die Umbaumaßnahmen bisher 800 000 Euro ausgegeben, weitere 800 000 Euro sind bis 2015 verplant. Wie viel die Amokprävention die Stadt insgesamt kosten wird, ist noch unklar. 2011 ging man noch von 1,3 Millionen Euro Gesamtkosten aus.
Seit einem Jahr befindet sich das Bauprojekt in Phase 1, in der die Lautsprecheranlagen und Alarmauslöser modernisiert oder ausgetauscht werden. Parallel dazu werden jetzt Maßnahmen zur besseren Orientierung durchgeführt.
Die Sekundarstufe II
wird zuerst aufgerüstet
Laut Verwaltung rüstet die Stadt zuerst die Gesamtschulen, die Berufsbildenden Schulen und die Gymnasien auf, danach die Schulen des Sekundarbereichs I und die Grundschulen.
Alle angestrebten Maßnahmen seien für die Rettungskräfte in jedem Notfall hilfreich, erklärt Polizeikommissarin Claudia Czerwinski, zuständig für Amokprävention. Seit Winnenden gehe man in Braunschweig mit dem Thema Amok sensibler um, sagt die Polizistin. „Wir nehmen jede Warnung ernst“, erklärt sie. Wer jedoch aus „Spaß“ einen Amoklauf ankündige, müsse mit einer strafrechtlichen Verfolgung rechnen und die Kosten der Einsatzkräfte tragen, warnt sie.
Die Polizei beriet die Stadt und die Schulen bei der Erstellung des neuen Konzepts. Sie bietet zudem seit 2010 eine spezielle Amok-Infoveranstaltung für Lehrer an. „Dabei wird erklärt, was für Warnsignale es vorab gibt und wie man sich im Notfall zu verhalten hat“, sagt Czerwinski. Die Infoveranstaltung kann bei der Polizei gebucht werden. 14 Schulen haben 2012 daran teilgenommen. Welche inhaltlichen präventiven Maßnahmen eine Schule ergreift, entscheidet jede selbst.

