Als erster in der Familie an die Uni – und viele Fragen
Braunschweig Die Initiative Arbeiterkind hilft Studenten aus Nicht-Akademiker-Familien.
Die ersten Tage an der Uni können einschüchternd sein. Jede Menge Informationen prasseln auf die Studienanfänger ein und lassen oft noch viel mehr Fragen zurück: Wie stelle ich meinen Vorlesungsplan zusammen? Wo kann ich etwas ausdrucken? Wann muss ich meinen BAföG-Antrag einreichen?
Wer als erster aus der Familie studiert und deswegen nicht von den Uni-Erfahrungen von Eltern oder Geschwistern profitieren kann, kann sich dadurch überfordert fühlen.
Viele Kinder von Nicht-Akademikern entscheiden sich sogar von vornherein gegen ein Studium. Laut der aktuellen Sozialstudie des Deutschen Studentenwerks nehmen von 100 Akademikerkindern 71 ein Hochschulstudium auf. Dagegen studieren von 100 Kindern nicht-akademischer Herkunft lediglich 24, obwohl doppelt so viele die Hochschulreife erreichen. Die Initiative Arbeiterkind, die jetzt auch an der TU eine Gruppe gegründet hat, hilft Schülern und Studenten aus Nicht-Akademiker-Familien, ein Studium zu beginnen und sich an der Uni zurechtzufinden.
Tim Hartung hat an der TU Sozialwissenschaften studiert. Auch er war der erste Student in seiner Familie und hatte viele Fragen. „Es gab einige Dinge, die ich nicht verstanden habe“, sagt er. „Diese ganzen Ämter, Anträge und Scheine, die es gibt. Ich kann nachvollziehen, dass man davor Angst hat.“ Gemeinsam mit Thomas Lesen hat er deswegen in Braunschweig eine Ortsgruppe der Initiative Arbeiterkind ins Leben gerufen.
Die Initiative wurde 2008 in Gießen von der Doktorandin Katja Urbatsch gegründet. Mittlerweile hat sie deutschlandweit 5000 ehrenamtliche Mentoren in 70 lokalen Gruppen. Sie helfen bei allen Fragen rund ums Studium, halten Vorträge in Schulen und Hochschulen und bauen über ein eigenes soziales Netzwerk Kontakt zu Schülern und Studenten auf.
Tim Hartung und Thomas Lesen wollen Anfang des Jahres in Schulen mit ihrer Arbeit beginnen. „Wir wollen die Schüler ermutigen, Abitur zu machen und ein Studium aufzunehmen“, sagt Lesen. „Außerdem wollen wir die Eltern informieren. Vor allem bei der Finanzierung haben die oft mehr Fragen als ihre Kinder.“ Zum nächsten Wintersemester wollen die beiden dann mit der Beratung der Erstsemester beginnen. „Es geht uns darum, die Leute, die neu an der Uni sind, abzuholen und zu unterstützen“, sagt Hartung. „Wir hoffen, dass wir noch Mitstreiter finden, die und dabei helfen.“
Service:
Initiative Arbeiterkind
Die Ortsgruppe Braunschweig der Initiative Arbeiterkind trifft sich an jedem 1. Mittwoch im Monat (außer im Januar) um 19 Uhr im Café Fischer. Weitere Informationen unter www.arbeiterkind.de
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