Wo am Ringgleis alles begann
Braunschweig Madamenweg/Ecke Pfingststraße – dort wurde einst das Ringgleis geboren. Eine wilde Geschichte aus Braunschweigs wildem Westen.
Im Nachhinein könnte man von einer Nacht- und Nebel-Aktion sprechen. Nur dass es hellster Tag war, als im Mai 2001 die rostigen Gitter zur Seite geschoben wurden, die den Weg zwischen Madamenweg und Kreuzstraße versperrten.
Ganze 120 Meter lang war die Strecke der ersten Braunschweiger Ringgleis-Bürgerbaustelle, die extra ausgerufen wurde, „weil die im Rathaus nicht in den Schweiß kommen“, wie es damals beim Braunschweiger Forum hieß.
Den Ehrenamtlichen vom Forum, dem Verein für bürgernahe Stadtplanung, ist es ganz allein zu verdanken, dass es das Ringgleis überhaupt gibt. Denn eigentlich wollte die Bahn die stillgelegte Trasse an die Anlieger verkaufen, damit die ihre Grundstücke vergrößern können.
Eine Protestaktion 1995 im Rathaus änderte das. Die Ratssitzung wurde unterbrochen, und 1200 Pro-Ringgleis-Unterschriften wurden übergeben – die Stadt kaufte die Trasse. Und damit schien das alte Ringgleis-Ziel greifbar, im Westlichen Ringgebiet einen sicheren Weg für Kinder anlegen zu können. Doch es tat sich nichts – jahrelang.
Bis zum Mai 2001: Erst verschwanden die städtischen Absperrgitter, dann die städtischen Brombeeren, die die Trasse überwuchert hatten, und dann wurde privater Kies aufgeschüttet. Fertig war der illegalste Weg Braunschweigs. Zur Eröffnungsfeier zwecks offizieller Übergabe des Wegs an die Öffentlichkeit kam inoffiziell der offizielle Bezirksbürgermeister Dieter Oppermann, der das dünne rot-weiße Flatterband zerschnitt. Für die musikalische Begleitung des Festakts sorgte Hans Fechtel auf der Wandergitarre.
Zwei Jahre existierte der illegale Ringgleis-Rohbau. Dann übernahmen die Grünflächenplaner und machten den Ringgleis-Trampelpfad zum Weg, wie wir ihn kennen.

