29 Millionen für Pharma-Zentrum in Braunschweig
Braunschweig An der Technischen Universität Braunschweig haben die Bau-Vorbereitungen für ein 29 Millionen Euro teures Forschungszentrum für die Entwicklung von Medikamenten der Zukunft begonnen.
Vom Jahr 2015 an sollen im Neubau am Langen Kamp etwa 140 Wissenschaftler arbeiten. Wie Professor Arno Kwade vom TU-Institut für Partikeltechnik erläuterte, sollen im neuen Pharmaverfahrenszentrum (PVZ) Mini-Fabriken entwickelt werden, um Medikamente herzustellen, die ganz genau auf den Patienten zugeschnitten sind.
An der Entwicklung werden Biotechnologen, Mediziner, Pharmazeuten sowie Verfahrenstechniker beteiligt sein. In ganz Europa, so Kwade, existiere nur noch in Österreich ein vergleichbares Forschungszentrum. Die reine Laborfläche des Baus in Braunschweig wird etwa 1500 Quadratmeter betragen.
Zentrum für Pharmaverfahrenstechnik (PVZ) – das ist ein höchst sperriges Wort. Es beschreibt allerdings einen Ort, „der ohne Beispiel in Deutschland ist“, sagt Kwade. Das neue Zentrum, so der Leiter des TU-Instituts für Partikeltechnik, werde für ein Alleinstellungsmerkmal Braunschweigs in Deutschland sorgen und die Wissenschaftsstadt erneut stärken.
Denn in dem Neubau werden die TU-Verfahrenstechniker, die Pharmazeuten, Mediziner von der Hochschule in Hannover sowie Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums ihre Kräfte bündeln, damit Medikamente entstehen, die wirksam sind, wie nie zuvor.
Revolutionäres soll geschehen: Die Medikamente „von der Stange“ sollen abgelöst werden von Medikamenten, die ganz genau auf den Patienten zugeschnitten sind. Medikamente, die dadurch weit wirksamer sein und gleichzeitig viel weniger Nebenwirkungen haben werden.
Solche Medikamente können aber nicht in Großanlagen produziert werden. „Es müssen völlig neue Mini-Fabriken entwickelt werden“, erklärt Kwade. Fabriken im Schreibtisch-Format, die er in ihrer Funktionsweise mit der von Kaffee-Automaten veranschaulicht: „Das Gewünschte kann man sich frei zusammenstellen: mit Zucker, ohne Zucker, ohne Milch, mit Milch, mit geschäumter Milch.“
Die Mini-Medikamenten-Fabriken werden allerdings nicht mit Kaffee und Schokolade, mit Milch und Zucker, sondern mit Wirkstoffen arbeiten, die zum Beispiel in der Krebstherapie Anwendung finden. Wirkstoffe, die teuer sind, weil sie vielfach gentechnisch hergestellt werden.
Der Architekten-Wettbewerb für das Gebäude ist mittlerweile abgeschlossen. Die Pläne des Berliner Büros werden nun noch einmal optimiert. Die Ausschreibung der Arbeiten beginnt im nächsten Jahr. Ob der erste Spatenstich noch Ende 2013 oder erst im Frühjahr 2014 erfolgt, vermochte Prof. Kwade noch nicht abzuschätzen. Doch im zweiten Halbjahr 2015 soll das Zentrum seine Arbeit aufnehmen.
