200 Studenten immer noch auf Wohnungssuche
Braunschweig Studenten ohne Wohnung schlafen in Notunterkünften, bei anderen auf der Couch – oder sie pendeln Hunderte von Kilometern.
Zwei Wochen nach Semesterbeginn suchen 200 Studenten immer noch eine Bleibe. Sie schlafen in Notunterkünften, bei anderen Studenten auf der Couch oder pendeln Hunderte von Kilometern.
Da es immer weniger günstige und innenstadtnahe Wohnungen in Braunschweig gibt, sind in diesem Semester deutlich mehr Studenten auf Unterstützung bei der Wohnungssuche angewiesen. Zuständig für die Bereitstellung von Wohnheimplätzen ist das Studentenwerk Ostniedersachsen.
Doch obwohl alle 1860 Wohnheimplätze in Braunschweig belegt sind und knapp 200 Studenten auf der Warteliste stehen, will das Studentenwerk kein weiteres Heim bauen. Denn: „Um zu bauen, müssten wir einen Kredit aufnehmen. Und das würde sich nur lohnen, wenn die Studentenzahlen die nächsten 25 Jahre so hoch bleiben“, erklärt Sprecherin Petra Syring.
Da das Land seine Zuschüsse gekürzt habe, müsse das Studentenwerk stärker abwägen, wofür es seine Mittel einsetzte. Außerdem rechne man damit, dass in ein paar Jahren die Studentenzahlen wieder zurück gingen. Stattdessen suche das Studentenwerk nach weiteren Häusern, die man mieten könne.
Um im nächsten Semester nicht wieder das gleiche Problem zu haben, schlägt Syring vor, einen Runden Tisch ins Leben zu rufen. Stadt, Land und die lokale Bauwirtschaft müssten gemeinsam einen Plan entwickeln, um der Wohnungsnot in Braunschweig entgegenzutreten. „Dieses Problem können wir nicht allein stemmen“, sagt sie.
Das aktuelle Semester ist das dritte in Folge, in dem aufgrund des doppelten Abiturjahrgangs und des Wegfalls der Wehrpflicht deutlich mehr junge Menschen an TU und HBK studieren. Sollten nach der Landtagswahl 2013 die Studiengebühren wegfallen, könnten die Zahlen weiter steigen.
Für die TU-Studentenvertretung Asta ist klar, dass die Wohnungsnot ein dringendes Problem ist. Jeden Tag stünden mindestens fünf Studenten auf der Suche nach einer Wohnung vor der Tür.
Studentenvertretung Asta: Land investiert zu wenig
Asta-Vorstand Kai Fricke kritisiert: „Das Land unterfinanziert die Studentenwerke seit Jahren. Es muss ihnen deutlich mehr Geld zur Verfügung stellen, damit die Studentenwerke zusätzliche Wohnheime bauen können.“
Die Finanzhilfe des Landes ist eine von drei Einnahmequellen, aus denen sich das Studentenwerk finanziert. 2007 bekam das Studentenwerk Ostniedersachsen für seine zehn Standorte noch 4,1 Millionen Euro vom Land, 2012 nur noch 3,8 Millionen Euro. Zwar hat die Landesregierung für 2012 und 2013 noch einen Extra-Topf mit 3 Millionen bereitgestellt, „für Ostniedersachsen sind das aber maximal 720 000 Euro“, erklärt Syring. Das reiche bei weitem nicht aus.
Das Wissenschaftsministerium sieht das anders. Bereits 2009 habe die Landesregierung den niedersächsischen Studentenwerken zusätzliche 4,2 Millionen Euro für die Sanierungsmaßnahmen bewilligt – aus den Mitteln des Konjunkturpakets II. Auf Nachfrage erklärte das Ministerium, dass diese 4,2 Millionen reine Bundesmittel waren, die vom Land weitergereicht wurden. In Braunschweig sind 13,6 Prozent der Studenten in Wohnheimen untergebracht. In diesem Semester studieren knapp 1200 Studenten an der Hochschule für Bildende Künste und 16 300 Studenten an der TU.
