„1913“ – Das große Kulturprojekt wird kommen
Braunschweig Nur drei Ratsmitglieder votierten gestern gegen den Veranstaltungsreigen aus Anlass des 100. Hochzeitstags des Braunschweiger Herzogpaars.
Gegen „1913 – Braunschweig zwischen Monarchie und Moderne“ stimmten Peter Rosenbaum (BIBS) sowie Gisela Ohnesorge und Udo Sommerfeld (beide Die Linke).
CDU, SPD und Grüne derweil waren sich einig: Die ausführliche, kontroverse Diskussion zu dem Thema habe zu guten Ergebnissen geführt, die nun von einer breiten Mehrheit getragen werden könnten. Auch Oberbürgermeister Gert Hoffmann lobte: „Das ist gut gelaufen im Vorfeld. Die Debatte hat neue, wichtige Aspekte eingebracht“, erklärte er und betonte in Richtung BIBS und Linke: „Es wundert mich, dass Sie nicht zustimmen wollen, weil wir doch gerade viele ihrer Argumente aufgegriffen haben.“ Rosenbaum hatte u.a. kritisiert, das Konzept sei fast ausschließlich ausgerichtet auf die Faszination des Adels und die Huldigung der Kaisertochter. Außer Acht gelassen werde, dass 1913 das Jahr der Kriegsvorbereitung gewesen sei. „Da gäbe es eine Menge stadtgeschichtliche Schätze zu heben“, meinte Rosenbaum und verwies auf noch nicht erfolgte Recherchen zur Rüstungsindustrie in Braunschweig. Gisela Ohnesorge hatte bemängelt, dass im Konzept immer noch zu viel der ursprünglichen Handschrift zu lesen sei, die eine viel zu positive Bewertung des Adels ahnen lasse. „Dabei müsste solch ein Projekt doch auch der Frage nachgehen: Wieviel Verantwortung tragen die Herrschenden am Ausbruch des Ersten Weltkriegs?“ Sie beklagte zudem, dass von den geplanten 650 000 Euro für 2012/2013 nur 40 000 Euro für freie Kulturträger vorgesehen seien.
Elke Flake von den Grünen hingegen fand das Konzept nach sehr guter Diskussion inhaltlich sehenswert: „Kein ganz großer Wurf, aber spannend.“ Cornelia Seiffert (SPD) war etwas zurückhaltender und wünschte sich für die Zukunft bei ähnlichen Großprojekten eine längere Vorlaufzeit und frühere Einbindung der Politik.
Anke Kaphammel (CDU) betonte, dass erst die Erweiterungsanträge der Linken und ihrer Partei das Konzept inhaltlich rund gemacht hätten. „Das Besondere an diesem Projekt ist der multiperspektivische Blick.“ Der Oberbürgermeister hatte darauf hingewiesen, dass das Konzept inhaltlich nicht zementiert sei: „Sie haben doch noch viel Spielraum, und wenn Sie im Kulturausschuss sagen: Dies oder jenes wollen wir nicht, dann wird es auch nicht gemacht.“

