Logo
Braunschweig

1000 Euro Schmiergeld je Rasenschnitt

Gärtner sagt als Zeuge im Bestechungsprozess gegen Ex-Vorstand einer Wohnungsgenossenschaft aus

Bettina Thoenes

Jeden Freitag seien sie zu dritt angerückt, um auf dem Privatgrundstück des Genossenschaftsvorstandes Rasen zu mähen, den Swimmingpool zu reinigen oder Blumenkübel zu bepflanzen. "Da gab es kein Vertun. Wenn wir nicht kamen, gab es Ärger", sagte der Gärtner gestern vor Gericht.

Nach einem Mitarbeiter der Wohnbaugesellschaft und einem Gas- und Wasserinstallateur ist der Gärtner der dritte Zeuge im Prozess gegen den 66 Jahre alten Ex-Vorstand, der von privaten Dienstleistungen auf Kosten der Wohngenossenschaft berichtet.

Der Gärtner – heute im Ruhestand – ist wegen Bestechung und Beihilfe zur Untreue bereits rechtskräftig zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.

Seit Mitte der 80er Jahre schon will er an den angeklagten Vorstand Schmiergelder bezahlt haben – die er durch gefälschte Rechnungen an die Wohngenossenschaft refinanzierte. Noch nicht verjährt jedoch sind nur die Schmiergeldzahlungen seit 2002: Im Falle des Gärtners beziffert die Staatsanwaltschaft die Höhe auf mehr als 250 000 Euro.

Jeden Freitag von 7 bis 13 Uhr seien sie privat für den Vorstand im Einsatz gewesen, schildert der Zeuge. Hätten sie die Arbeit nicht geschafft, seien sie an anderen Wochentagen wiedergekommen. "Wir mussten dahin, das gab es nicht anders." Drei Privatgrundstücke des Vorstandes galt es zu pflegen. "Da war immer Arbeit. Sowie die Sonne hochkam, ging es im Frühjahr los."

"Wenn ich mal nicht gezahlt habe, war er knurrig"

Die für den Chef der Genossenschaft geleisteten Arbeitsstunden stellte der Gärtner dem Unternehmen in Rechnung.

Darüber hinaus berichtet der Zeuge, dass er dem Vorstand für jeden Rasenschnitt, den er für die Genossenschaft leistete, 1000 Euro Schmiergeld habe zahlen müssen. "Wenn ich das Geld mal nicht gezahlt habe, war er knurrig."

Oft will er zum Vorstand gesagt haben: "Wir sollten mit dem Scheiß aufhören." Der aber habe geantwortet: Es stehen genug andere Leute vor der Tür.

Im Urteil gegen den Gärtner heiße es, sie hätten das veruntreute Schwarzgeld unter sich aufgeteilt, bemerkt Staatsanwalt Daniel Facca. "Nein", widerspricht der Zeuge.

Gartenpflege und Pflasterarbeiten soll er auch für das Geschäft der Vorstandsgattin geleistet haben. Wer das bezahlt habe? "Auch die Genossenschaft."

Verteidiger Markus Bialobrzeski legt indes eine Rechnung vor, nach der private Leistungen für das Geschäft auch privat abgerechnet wurden. "Das war eine gefälschte Rechnung," antwortet der Gärtner. "Damit der Vorstand was einreichen konnte." Auch Darlehensverträge hätten sie sich ausgedacht, weil Schmiergelder ausgestanden hätten.

Der Prozess wird fortgesetzt.

Anzeige
Zum Artikel
Veröffentlicht: 27.02.2009 - 22:00 Uhr
+ - Textgröße drucken
Fotos & Videos
ANZEIGEN
ANZEIGE
E-Paper
Titelseite
Die elektronische Ausgabe Ihrer Zeitung – Jetzt lesen!
ANZEIGE
ANZEIGE