Zwei Rosinen für Rossini
Eine Sopranistin und eine Mezzosopranistin singen abwechselnd dieselbe Rolle im „Barbier von Sevilla“, der im Staatstheater Braunschweig Premiere hat.
Koloraturen nach oben oder nach unten, das ist hier die Frage. In Gioacchino Rossinis umtriebiger Musik wie aus der Nähmaschine liegt die Kunst in der Variation der Gesangslinien durch zusätzliche Töne. Für diese Auszierungen, die zusätzliche Farben bringen und daher Koloraturen heißen, gibt es extra Bücher. Sie ergänzen die Partitur und zeigen die beliebtesten Varianten bekannter Sängerinnen.
„Man hat bei den Auszierungen große Freiheit, aber man muss sich natürlich entscheiden, damit die Kollegen und der Dirigent wissen, wohin die Reise geht“, erzählt Sarah Ferede, die die begehrte Rosina in Rossinis „Barbier von Sevilla“ in der Premiere am Sonnabend im Staatstheater Braunschweig singen wird. Mit ihrem wohlig dunkel gefärbten Mezzosopran singt sie die Partie in der Originaltonlage, wie sie auch bei der Uraufführung gewählt wurde. „Aber ich habe mir auch Koloraturen aus der Sopranfassung herausgesucht. Wichtig ist, dass einem die Töne gemütlich liegen. Wenn man aus irgendeinem Grund mal nicht so gut drauf ist, kann man die Verzierungen aber auch wieder weglassen. Nur der Kontakt zum Dirigenten muss stimmen, damit er rechtzeitig wieder zum gemeinsamen Akkord mit dem Orchester einlenkt.“
Tatsächlich wurde die Rosina wegen ihres mädchenhaft-kecken Gebarens oft auch von den Koloratursopranen, den sogenannten Soubretten gesungen. Entsprechend führen die Koloraturen dann in die Höhe. Und so wird in Braunschweig auch Ekaterina Kudryavtseva die Rosina singen. „Ich singe weitgehend die tiefere Originalfassung, nur eine Arie wird um eine Terz angehoben“, sagt sie. Aber auch wenn beide die gleichen Töne singen, klinge es anders, weil ihre Stimmfarben grundsätzlich unterschiedlich sind. Geprobt haben sie gemeinsam. „Wenn ich Ekaterinas Koloraturen höre, möchte ich das auch gern so machen“, sagt Ferede. Ekaterina geht es umgekehrt. Beide Rosinen halten den Ausflug in Rossinis zackige Rhythmik für ein gutes Training der Technik.
Spielen sie die Partien verschieden? „Rosina ist ein Mädchen in der Pubertät. Ihr Vormund Dr. Bartolo hält sie wie eine Puppe, da ist die Begegnung mit Graf Almaviva ein Ausweg aus dem goldenen Käfig“, sagt Ferede. „Ob sie ihn wirklich liebt, steht auf einem andren Blatt“, ergänzt Kudryavtseva. Während für sie als Sopranistin die verliebten Mädchenrollen im Repertoire zahlreich sind, ist die Mezzosopranistin Ferede froh, auch mal der Männerschwarm zu sein. „Sonst sind wir entweder der Vamp wie Carmen oder die alte Amme und Magd.“
Premiere am 4. Februar, 19.30 Uhr. Karten: (0531) 1 23 45 67.

