Wenn die Fans vor der Wohnung lagern
Braunschweig Andreas Elsholz hat als TV-Serienstar bei „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ viel Trubel hinter sich und spielt jetzt in Braunschweig Komödie.
Tausend Folgen „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ hat Andreas Elsholz hinter sich. Nun hat der 39-Jährige zum ersten Mal auch die Bühne geentert. In der Braunschweiger Komödie am Altstadtmarkt spielt er zurzeit die männliche Hauptrolle in der Theaterversion des Films „Harry und Sally“. Und hat sich nicht mal drum beworben.
„Theaterleiter Florian Battermann hat mir das Buch zugeschickt. Und ich konnte mir das dann auch gut vorstellen“, erzählt der Film-Fan bei unserem Treffen.
Er ist noch in der DDR geboren, hatte Lust auf Schauspiel, wurde aber an den Schulen nicht angenommen und lernte dann Kfz-Mechaniker. „Nach der Wende wurden für die erste tägliche Fernsehvorabendserie unverbrauchte Gesichter gesucht. Und da wurde ich beim Casting für ,Gute Zeiten, schlechte Zeiten’ unter 400 Bewerbern ausgewählt.“ Ein wenig Privatunterricht hat er dann noch genommen. Für Theaterspielen wäre aber in den dreieinhalb Jahren Serientätigkeit sowieso keine Zeit gewesen.
„Das ging täglich von sieben bis sieben“, erzählt Elsholz. „Das Drehbuch für eine Woche bekam man eine Woche vorher. Am Montag wurde komplett für die ganze Woche geprobt, und dann wurden die Szenen passend zum Bühnenbild abgedreht.“ Das heißt also nicht chronologisch, sondern so, dass erst alle Szenen im Wohnzimmer und dann alle Szenen im Auto aufgenommen wurden. „Man musste sich dann vor jeder Aufnahme schnell in Erinnerung rufen, von welcher Seite man kam und in welcher Stimmung man gerade war“, erklärt Elsholz. Für den damals 23-jährigen Anfänger eine große Herausforderung, aber auch ein starkes Training.
Trotzdem wollte er dann das Ende. „Man kann einfach keine anderen Angebote annehmen, wenn man in so einer Serie steckt.“ Immerhin ließ man seine Figur, Heiko Richter, nicht sterben, sondern er gilt als verschollen. „Das war eine Vertragsklausel. Wenn die Quoten zu stark abgefallen wären, hätte ich wieder einsteigen müssen.“ Denn Elsholz gehörte zu den populärsten Stars der Anfangsjahre des neuen Genres. „Wenn man täglich auf dem Bildschirm erscheint, gehört man ja irgendwie mit zur Familie. Die Fanpost hat mich wirklich überwältigt. Aber wenn dann nach einem anstrengenden Drehtag die Fans vor der Tür meiner Privatwohnung lagerten und dort übernachteten, fand ich die Grenze schon ziemlich überschritten“, erinnert sich der Schauspieler.
Er hat sich dem Trubel lieber entzogen, begann als ehemaliger Leistungssportler wieder Kanu zu fahren, viel in die Natur zu gehen. Und nach zwei Jahren lernte er seine Frau, die Schauspielerin Denise Zich, kennen, heiratete, bekam einen Sohn, das hat die Lage sicher auch beruhigt. Elsholz hat inzwischen internationale Kinofilme gedreht und manchen Fernsehfilm.
„Theater ist eine wichtige Erfahrung für mich, unheimlich aufregend. Aber es fühlt sich gut an“, sagt Elsholz. Klassische Bühnenrollen hat er für sich bislang nicht erwogen. Dabei geht er in Berlin gern ins Theater, kennt durch seine Frau auch Stars wie Ulrich Mühe oder Susanne Lothar. „Die hat mir geraten, Aufregung mit auf die Bühne zu nehmen und dort einzusetzen, das war ein guter Trick. Es muss toll sein, mit so erfahrenen Schauspielern auf der Bühne zu stehen.“
Im Braunschweiger Ensemble fühlt er sich sehr wohl, das Klima stimme. „Ich habe jetzt Blut geleckt“, resümiert Elsholz, fortan will er öfter Theater spielen.
„Harry und Sally“ am 20. 21., 25., 27. März und im April.
Karten: (0531) 121 86 80.

