Warum Flo Mega den Vergleich mit Jan Delay nicht mag
Braunschweig Seit dem 2. Platz beim Bundesvision Song Contest gilt er als neue Soul-Hoffnung. Ein Interview mit Flo Mega, der am 12. April in Braunschweig spielt.
Schicker Anzug, deutschsprachiger Soul, selbstbewusstes Auftreten, norddeutsche Herkunft – es liegt nahe, Flo Mega als Bremens Jan Delay zu titulieren. Das nervt den 32-Jährigen, wie er im Interview zu seinem Album „Die wirklich wahren Dinge“ durchblicken lässt.
Du hast mit Hip-Hop angefangen und dir damit in der norddeutschen Szene einen Namen gemacht. Warum bist du auf Soul umgestiegen?
Weil ich ein sehr aktiver Typ bin. Hip Hop bedeutet, zuhause Texte zu schreiben, am Computer Beats zu bauen und darüber zu rappen. Das war mir auf Dauer zu wenig, ich wollte mich entwickeln. Und dann ist es so, dass die meisten Samples im Hip Hop aus dem Soul und Funk kommen – und irgendwann findest du die Mucke, die du klaust, besser als die, die du selber daraus baust.
Rap ist die abstrakte Form von Funk. Ich bin einen Schritt zurückgegangen. Auch in meinen Texten konstruiere ich nicht mehr so viel – ich sage es direkt heraus.
Deine Hip-Hop-Vergangenheit scheint insofern durch, dass deine Songs sehr wortreich sind. Andererseits singst du im Titelsong deines Albums „Die wirklich wahren Dinge im Leben / Brauchen keine Worte, um sich zu beschreiben“.
„Die wirklich wahren Dinge“ war der erste Song, den ich geschrieben habe, um mich vom Rap zu verabschieden. Vielleicht ist da ein gewisser Widerspruch. Aber Widerspruch in der Kunst ist fruchtbar, er regt die Phantasie an. Als Soul-Sänger entwickele ich mich noch. Das nächste Album wird reduzierter. Man muss sich erstmal lösen.
Obwohl du vom Hip-Hop kommst, verzichtest du nun auf Samples und Computerbeats. Dein Album klingt sehr handgemacht, fast konservativ.
Konservatismus ist nicht per se schlecht. Und nicht alles, was neu ist, ist gut. Es gibt auch Szene-Spießer. Ich habe einfach Bock auf organische, groovige Sachen. Samples brauchen wir nicht.
Deutschsprachiger Soul, schicke Anzüge, norddeutsche Herkunft – der Vergleich mit Jan Delay liegt nahe. Was hältst du davon?
Gar nichts. Er hat zwei farbige Sängerinnen und ein paar Bläser. Aber eigentlich macht er gar keinen Soul. Er verausgabt sich nicht. Er ist okay, und ich finde seine Art auch cool. Aber als Soul-Sänger muss man auch gucken, dass man zum Lord kommt, auch stimmlich, dass es mal obertonlastig wird oder richtige Tiefe bekommt. Diese Vergleiche sind typisch deutsch. Schublade auf, bamm, es ist grauenhaft. Dieses ewige Wettbewerbs-Prinzip.
Du bist aber auch durch einen Wettbewerb, den Bundesvision Song Contest, bekanntgeworden.
Ja, das war eine gute Werbung. Ich bin froh, dass es so gut gelaufen ist, das hat mir viel Arbeit erspart.
Hast du auch an Casting-Shows teilgenommen?
Nein. Da werden ja auch keine Leute ausgewählt, die wirklich etwas drauf haben, sondern Stereotypen, die vorgeführt werden können. Da schau ich mir lieber die offene Bühne in Bremen an, wo echt interessante, bizarre Dinge abgehen. Es ist wichtig, dass in Deutschland nicht immer alles so angepasst ist. Ich mache mein Ding auch aus einer gewissen Andersartigkeit heraus.
Wenn ich mir vorstelle, ein Mensch fährt zur Arbeit und hört im Auto Musik, die sich genauso anfühlt wie im Auto sitzen und zur Arbeit fahren, dann passiert mit ihm doch nichts. Musik soll Leute berühren und auf andere Gedanken bringen.
Wie ist die Bremer Szene so? Außer Sven Regener fällt mir kein Musiker ein, der groß rausgekommen wäre.
Na ja – Hamburg ist die große Stadt und nicht Bremen. Wenn einer aus Oldenburg was erleben will, fährt er nach Hamburg. In Bremen fehlen gewisse Energiefelder, es herrscht eine gedämpfte, leicht sarkastische Stimmung. Ich lebe gern dort, aber wir Bremer müssen auch mal weggehen und mit einem Schatz wieder nach Hause kommen.


