Vom Liebeskummer mit Mitte Dreißig: „Another fucking...“
Braunschweig Die Braunschweigerin Katharina Marie Schubert machte als Schauspielerin Karriere. Beim Filmfest, das am Dienstag eröffnet wird, stellt sich die 35-Jährige als Regisseurin vor.
Ein Blitzstart. Noch als Abiturientin schaffte Katharina Marie Schubert den Sprung direkt von der Braunschweiger Waldorfschule zum Schauspielstudium ans Wiener Max-Reinhardt-Seminar. Wohl gerade, weil sie ganz unbedarft und damit auch unbefangen ins Vorsprechen gegangen sei, mutmaßt sie.
Noch keine 20, sei sie an dieser Kaderschmiede der Bühnenkunst eine ordentliche, aber unauffällige Studentin gewesen, erzählt Schubert. Und Wien: eine faszinierende, aber auch fremde Stadt. „Wenn man in Braunschweig sagt, das geht nicht, hat man sich das vorher überlegt, und es geht wirklich nicht. In Wien geht erst mal gar nichts. Man muss dann freundlich fragen, bitten, und dann geht es doch irgendwie.“
Als die junge Reinhardt-Schülerin nach zwei Jahren mit einem Wechsel nach Berlin liebäugelte, sah sie der Regisseur Luc Bondy bei einer Seminar-Probe „für eine schlechte Inszenierung eines mäßigen Stücks“ – und engagierte sie für die Uraufführung der „Lotphantasie“ von Botho Strauß. 1999 wurde Schubert fest ans Burgtheater verpflichtet.
Zwei Jahre später wechselte sie an die Münchener Kammerspiele, wo sie sieben Jahre mit Regisseuren wie Andreas Kriegenburg, Stefan Pucher und René Pollesch zusammenarbeitete. Letzterer habe sie gelehrt, „aufzuhören zu repräsentieren“, erzählt Schubert munter am Telefon. „Man muss nicht rumzappeln, um sich auf der Bühne zu rechtfertigen.“ Wichtiger sei es innezuhalten und zu fragen, worum es bei einem Text wirklich geht – und was man damit aussagen will.
Die 35-Jährige steht zum modernen Regietheater als dem Versuch, Stücke daraufhin zu befragen, was sie uns heute sagen. Andernfalls mutierten Theater zu Museen. „Gute Regisseure gehen dabei aber sehr ernsthaft mit den Texten um. Es geht nicht darum, an der Rampe zu stehen und beklatscht zu werden. Es geht darum, acht Wochen gemeinsam etwas zu erarbeiten: ein Denkergebnis sozusagen.“
Vor zwei Jahren ist Schubert zum Deutschen Theater Berlin gegangen. Derzeit spielt sie die Hauptrolle in Brechts „Heilige Johanna der Schlachthöfe“, ist in Sartres „Schmutzige Hände“ sowie dem Dea-Loher-Stück „Am schwarzen See“ zu sehen.
Damit nicht genug. Die Braunschweigerin ist auch als Kino- und TV-Schauspielerin erfolgreich, wirkte unter anderem in „Tatort – Ein neues Leben“ und in Detlev Bucks „Rubbeldiekatz“ mit.
Beim Braunschweiger Filmfest ist sie in „Another Fucking...“ zu sehen. Klingt drastisch, dreht sich aber ums Nachspiel – Liebeskummer. Charmant erzählt der halbstündige Streifen von zwei Großstädtern Anfang 30, die nach einer verliebten Nacht feststellen, dass ihre Lebensentwürfe doch ziemlich verschieden sind. Melancholisch im Grundton, heiter im Detail, ein wenig konstruiert, aber von liebenswerter, entspannter Poesie. Und klasse gespielt.
Neben der Hauptrolle zeichnet Tausendsassa Schubert auch für Drehbuch und Regie verantwortlich. Es ist ihre zweite Regiearbeit und gewissermaßen Vorstufe für ihren ersten abendfüllenden Film mit einem ähnlichen Thema. „Gute Kinder“ heißt der Arbeitstitel.
Es gehe um ihre Generation, erzählt sie. „Also gut ausgebildete, von ihren Eltern geliebte und geförderte junge Leute, die trotzdem depressiv sind, weil sie sich für nichts entscheiden können, auch weil sie so hohe Ansprüche an sich haben. Also tragisches, aber auch sehr lustiges Zeug.“ Das Drehbuch stehe. „Jetzt suche ich einen Produzenten“, erzählt Schubert. Wir drücken die Daumen.
„Another Fucking...“ läuft beim Filmfest Di. und Sa., 22.15, sowie So., 13.30 Uhr, als Vorfilm zu „Bild von ihr“ von Florian Anders. Sonntag ist Schubert dabei.

