Vom Kopf in den Körper
Braunschweig Vor der Uraufführung von Jan Puschs neuem Tanzstück „Ahead“ am Sonnabend in Braunschweig erzählen drei Tänzerinnen, was sie bewegt
Da haben wir drei ganz besonders Begeisterte erwischt. Anna Fingerhuth etwa wird nach monatelanger Verletzung wieder auf der Bühne stehen. Ein harter Wiederanfang? „Ich tanze jetzt eher mit mehr Bewusstsein als vor der Verletzung. Wenn man endlich wieder den vollen Einsatz zeigen kann, macht das Tanzen noch mehr Spaß!“
Ihre Kollegin Anna Aristarkhova erinnert sich an ihre Anfänge in der Ballettschule in Russland, da war sie 10 und wurde besonders mit zeitgenössischem Tanz bekannt. „Ich war fasziniert davon, wie viel unterschiedliche Bewegungen ein Körper machen kann!“ In der Klassik seien die Bewegungen festgelegt, aber im zeitgenössischen Tanz habe man unbegrenzte Möglichkeiten, auch selbst Bewegungen zu entwickeln.
Sicher, im Augenblick tut das Tanzdirektor Jan Pusch. Aber es stecke doch viel Eigenes darin. „Wir bekommen von ihm Aufgaben gestellt, zu denen wir improvisieren“, erzählt Bettina Bölkow. Damit gebe Pusch zwar die Richtung vor, doch er übernehme viel von dem angebotenen Material, bearbeite es weiter, so dass sich die Tänzerinnen doch wieder selbst in dem entstehenden Stück wiederfinden. „Der Körper ist unser Instrument. Alles, was wir machen, hat also immer auch mit uns selbst zu tun“, betont Anna Aristarkhova. „Manchmal erinnert man sich sogar, welche Bewegungsidee, die man gerade ausführt, von welcher Kollegin kam und was für eine Geschichte dahinterstand, so wird alles sehr persönlich.“
In der Uraufführung von „Ahead“ soll es darum gehen, was im Kopf denkt und Anreiz zum Handeln und Bewegen gibt. „Eine Aufgabe hieß zum Beispiel, dass wir unsere Träume beobachten sollten, den schlaftrunkenen Zustand im Übergang zum Erwachen erforschen“, berichtet Bettina Bölkow. Dann wieder ging es um Weiblichkeit, um weitgefasste Begriffe, die durch die klaren Aufgaben konkret wurden.
Anna Aristarkhova (24) tanzte schon mit 5 Folklore. Es folgte die Ballettschule, an der Hochschule in Frankfurt machte sie ihr Diplom. Privat spielt sie Schlagzeug in der Band des Tanzensembles, meditiert oder geht klettern. Auf der Bühne reizt sie die Überraschung: „Keiner ist immer gleich drauf, so dass sich auch die Gruppenenergie ändert.“
Auch Bettina Bölkow (31) spielt in der Band: den Bass. Sie war ein hyperaktives Kind, heute macht sie Yoga. Durch den Tanzfilm „Anna“ war sie so begeistert, dass sie dringend zum Ballett wollte. In ihrer Ballettschule wurde aber mehr Jazz und Modern gemacht als Spitzentanz. Nach der Ballettakademie in Köln hat sie sich in Rotterdam dann ganz zeitgenössisch spezialisiert.
Anna Fingerhuth (26) hat immer das Zusammenspiel von Musik und Tanz begeistert. Mit 9 wurde sie in die Neumeier-Ballettschule aufgenommen. Später merkte sie, dass sie in der klassischen Ästhetik nicht ausdrücken konnte, was sie wollte. Ihr Diplom machte sie an der Palucca-Schule Dresden. In der Freizeit läuft sie oft auf dem Laufband: „Das gibt so ein meditatives Gefühl.“
Uraufführung 25. Februar im Großen Haus. Karten: (0531) 1 23 45 67.


