Vom Kommissar zum Kunst-Schauspieler
Braunschweig Alexander Pelz war im Fernsehen jahrelang einer der „Männer vom K3“ und spielt jetzt in der Braunschweiger Komödie Yasmina Rezas Stück „Kunst“.
Erst ist er von der Schule geflogen, dann wollte er zur Fremdenlegion, falsche Freunde brachten ihn an der Rand der Kriminalität. „Aber ich konnte gut Witze erzählen und Leute nachmachen“, erzählt Alexander Pelz. Und so behielten die alten Werte, die ihm ein liebevolles Elternhaus vermittelt hatte, die Oberhand. „Ich sah Helmut Lohner als Liliom auf der Bühne und wusste, das willst du auch machen.“
Er schaffte die Schauspielschule, wurde ans Züricher Schauspielhaus engagiert und stand dort nun mit seinem Idol Lohner selbst auf der Bühne. Seine Karriere führte ihn auch nach Wuppertal und München. Im Fernsehen war er 14 Jahre lang einer der „Männer vom K3“. Zurzeit spielt er in der Braunschweiger Komödie am Altstadtmarkt in Yasmina Rezas Komödie „Kunst“.
Mit wallendem Silberhaar sitzt da ein sehr nachdenklich gewordener 58-Jähriger. Aus der Lust am Nachahmen ist das psychologische Interesse geworden, sich in andere Figuren und Menschen hineinzuversetzen. So spielt er Theater, und so arbeitet er auch mit jungen Menschen, die Probleme haben. Eine persönliche Krisenzeit hat ihn verändert.
„Jede Rolle ist auch eine Art Therapie. Mich würde interessieren, ein Theater zu gründen, das heilt. Das die Leute heilt, die es spielen, und die Leute, die es als Zuschauer miterleben.“ Er sieht da durchaus Bezüge zu Schillers Theorie, wonach die Menschen im Theater ausgedachte Schicksalsschläge durchleiden lernen und so auch in der Realität besser damit umgehen können.
„Durch die Krise gehen und wieder auferstehen, das ist ja bei den meisten Stücken so, und auch in der Religion, ob nun bei Jesus oder einem Schamanen“, sagt Pelz. Er diskutiert viel mit seinem erwachsenen Sohn über Philosophie, kümmert sich um seine zehnjährige Tochter. Und schreibt an einem Buch über Lebensfragen.
Er erinnert sich noch an seine Anfangsjahre beim „K3“. „Ich hatte Constanze Engelbrecht eine kleine Mitteilung zu machen und tat das wie auf der Bühne. Damit man’s merkt: schön mit Pause, nochmal umdrehen. Als ich das nachher im Film sah, habe ich mich geschämt, so übertrieben wirkte das. Im Fernsehen muss man viel kleiner spielen, sich lieber beim Sprechen nochmal beiläufig an der Nase kratzen, dann wirkt’s natürlich.“
Fernsehen guckt er inzwischen kaum noch. „Diese Vorabendserien sind nur noch Fließbandarbeit. Es sind vor allem schöne Gesichter gefragt, keine Schauspieler“, sagt Pelz. Doch er hilft, damit es anders läuft. Im bayerischen Fernsehen betreut er die Serie „Dahoam is dahoam“ als Schauspieltrainer. „Der Regisseur macht die Bildregie und ich die Sprechregie. Damit es natürlich klingt und nicht so unbeholfen aufgesagt wie in manchem Privatsender.“
Auch als Einspringer in „Kunst“ in Braunschweig ist ihm wichtig, die Figuren der Komödie ernst zu nehmen. Er spielt Serge, der ein weißes Bild gekauft hat, Marc findet’s blöd. Daraus machen die ein Duell und putzen nebenbei den dritten Freund Yvan ganz unmenschlich runter.
„Rezas Stücke zeigen immer wieder spannend, wie dünn die Decke der Zivilisation ist“, erklärt Pelz. Auch seine eigene Figur sieht er kritisch. „Serge klammert sich an die Vorstellung, dass das Bild einen ideellen Wert für ihn habe, weil er ohne diese Idee ganz einsam und leer wäre.“ Pelz hat selbst viele Freunde in der Galerie-Szene und weiß, was für absurde Summen da gehandelt werden. „Das ist längst Kunstspekulation, keine Kunstliebe mehr.“
Der weiche Yvan ist für Pelz eine heilige Figur. „Der will keine Autorität sein, wie die beiden anderen, sondern nur ein Freund. Darum geht es eigentlich in dieser perfekten Dialog-Komödie mit Tiefgang.“
„Kunst“ bis 26. Februar fast täglich. Karten: (0531) 121 86 80.
