„Theater muss aufwühlen, dafür ist es schließlich da“
Braunschweig Regie-Assistentin Lisa Kempter inszeniert m U 22 des Staatstheaters Braunschweig Jan Neumanns Migranten-Drama „Vom Ende der Glut“
Jan Neumanns Liebesdrama „Vom Ende der Glut“ ist ihre erste Inszenierung am Staatstheater. Für eine Regieassistentin ein ziemlich wichtiger Karriereschritt, oder?
Das möge schon sein, erklärt Lisa Kempter, „aber je weiter die Probenarbeiten gehen, desto mehr interessiert mich die Entwicklung des Stoffes, die Möglichkeiten, die sich auftun. Das ist spannend – an die Folgen der Premiere für meine Karriere denke ich im Moment gar nicht.“
Lisa Kempter ist eine Art Theatertier. „Irgendwie habe ich schon immer Theater gemacht. Ich stand schon als Kind auf der Bühne.“ Nach dem Abitur aber kam die Angst. Sie wurde Verlagsbuchhändlerin in Berlin. Doch da schlug das Theaterblut erst recht durch. Sie studierte Literatur und Theaterwissenschaften, bewarb sich bei Frank Castorfs Volksbühne. Hier assistierte sie unter anderem bei der extrem eigenwilligen Schauspiel-Performerin Anne Tismer („Hitlerine“). Das habe sie einerseits fasziniert, erzählt Lisa Kempter: „Denn ich habe gelernt, was es heißt, den eigenen Gedanken ganz bis zuende zu verfolgen.“ Andererseits: „Volksbühnen-Theater will ich nicht machen. Ich bin kein Einzelkünstler.“ Vielmehr schätzt sie das Entwickeln von Ideen und das klare, stringente Erzählen von Geschichten gemeinsam mit dem Ensemble. Da ist ihr die Braunschweiger Hausregisseurin Daniela Löffner ein Vorbild. „Theater muss aufwühlen. Das kann es wie kein anderes Medium.“
In Neumanns Stück geht es um eine Frau, die in Russland plötzlich in das Auto eines Deutschen steigt. Die beiden ziehen nach Süddeutschland, richten sich ein im Wohlstand, bekommen Kinder. Happy End?
„Nein, sagt Lisa Kempter. Das Ende mündet in eine Gegenwarts-Vision des Medea-Mythos. Wir erinnern uns: Mord der Migranten-Mutter an ihren Kindern aus Rache am Gatten.
Welche Botschaft sie mit ihrer Inszenierung verbindet, sagt sie uns nicht. Das würde den Zuschauer in seiner eigenen Deutung zu sehr einschränken, findet sie.
Überhaupt wirkt die junge Frau freundlich, aber auch distanziert. Warum sie nicht Schauspielerin statt Regisseurin werden wollte, begründet sie nicht. Und das Private möchte sie am liebsten ganz heraushalten. Immerhin entlocken wir ihr das Bekenntnis zu den Bergen. Die geborene Bad Tölzerin kehrt immer wieder gern dorthin zurück. Zum Skifahren, Snowboarden und Bergsteigen.
