Schöne Räuberin vor Helmstedter Kulisse
Helmstedt Für den Dreh des Films „Die Banklady“ über einen echten Fall aus der Nachkriegszeit zeigt die Stadt ihre in Ehren ergrauten Ecken
Blonde Perücke, Sonnenbrille, teure Schuhe: Seltsam ausstaffiert beging Gisela Werler in den 60er-Jahren ihre Überfälle. Doch sie regte männliche Fantasien an. Bald begannen die Zeitungen, mit schwärmerischem Unterton von der „Bankräuberin mit den schönen Beinen“ zu schreiben.
Eine Räuberin als Sexsymbol. Regisseur Christian Alvart bringt die wahre Geschichte von der unscheinbaren Fabrikarbeiterin, die großen Träumen und der großen Liebe hinterherjagte, mit seinem Film „Banklady“ auf die Leinwand.
Die filmische Zeitreise in die Bundesrepublik der Nachkriegszeit indes ist knifflig. Geeignete Kulissen, irgendwo zwischen Alltagsgrau und plastikbuntem Spießbürgertum, sind längst rar. Fündig wurde das Team um Szenenbildnerin Birgit Kniep-Gentis im Landkreis Helmstedt.
Am Donnerstag wurde gedreht. Schmucklose Mehrparteienhäuser mit kleinen Balkonen, Kopfsteinpflaster, einer Eckkneipe: Die Kreisstadt hat außer schmuckem Fachwerk auch die in Ehren ergrauten Ecken zu bieten. Abseits der Fremdenführungen, aber authentisch.
Damit die deutschen Stars wie Nadeshda Brennicke als Banklady, Charly Hübner als Geliebter und Heinz Hoenig als Hauptkommissar Kaminski ins Hamburg der 60er-Jahre reisen konnten, waren nur noch Nuancen notwendig.
VW-Käfer, Opels und Fords wurden an den Plattengehwegen geparkt – stimmig. Friedrichstraße und Conringplatz wurden kurzerhand an den Kiez der Hansestadt verlegt. Dennoch: Eine Werbung für Helmstedt ist der Film auf jeden Fall, wie Erster Stadtrat Klaus Junglas festhält: „Ein tolles Marketing.“ Und weil nicht alle Tage ein hochkarätiges Filmteam hier zu Gast ist, durften Angestellte der Stadt gleich mit aufs Bild.
Mitarbeiter von Ordnungsamt und Bauhof halfen nicht nur bei der Absperrung, sondern werden auf der Leinwand auch als Statisten zu sehen sein: „Sie haben sich casten lassen.“
Weitere Station ist Grasleben, die Samtgemeinde am Rande des Lappwalds, nördlich von Helmstedt. Die Kirche St. Norbert wurde 1961 geweiht. Das katholische Gotteshaus mit der markanten Glas-Beton-Fassade und dem schlichten Metallkreuz ist architektonisch ebenfalls perfekt geeignet. Hier fand eine Beichtstuhlszene statt. Nachbar Johannes Nitschke wurde zwar nicht groß gefragt, als eine Kolonne von Lastwagen auf beiden Seiten der Straßen hielt und Helfer begannen, palettenweise Technik auszuladen. Aber er befand: „Die sind alle ganz nett.“
Ngo The Chau, Träger des Deutschen Kamerapreises 2005, wird als Bildgestalter optisch dafür sorgen, dass Film nicht Dokumentation wird: Wenn Giselas Adrenalin beim Überfall hochpumpt, werden die Farben kräftiger, spiegeln Überhöhungen den Ausbruch aus der grauen Welt wieder. Diese Akzente sollen den Stil der bunten Magazine aufnehmen, die die Räuberin so gern las. Actiongeladenes „Popcorn-Kino“ verspricht Regisseur Alvart.
Gedreht wird noch bis zum 28. Juli, außer in Helmstedt unter anderem in Bremen, Hamburg und auf der Insel Fehmarn.
2013 wird das Publikum erfahren, was aus der Arbeiterin wurde, die sich vom Mauerblümchen zur ersten deutschen Bankräuberin wandelte.



