Richtfest für Schloss Herrenhausen
Hannover Hannover baut bis Ende 2012 sein Welfenschloss neu auf – mit Tagungszentrum und Museum. Die Kosten trägt die Stiftung Niedersachsen.
Heute wird auf der Großbaustelle in Herrenhausen Richtfest gefeiert, Ende 2012 soll das Schloss wieder Prunkstück der Herrenhäuser Gärten sein. Es war 1943 von britischen Fliegern zerbombt worden.
Im Frühjahr 2007 führte die Volkswagen-Stiftung erste Gespräche über den Wiederaufbau mit Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil. Im November entschied die Stiftung, das Projekt umzusetzen. Die Stadt stellte das Grundstück, Bauherrin ist eine Tochtergesellschaft der Stiftung.
„Der Neubau mit Tagungszentrum und Museumsbereich schließt nicht nur eine Baulücke in Herrenhausen, sondern wird diesen Ort darüber hinaus wieder zu einer Stätte der Wissenschaft und des kulturellen Denkens machen“, freute sich Oberbürgermeister Weil, als im Juni 2011 der Grundstein gelegt wurde.
Die Fassade soll nach den historischen Plänen von Hofbaumeister Laves im klassizistischen Stil wiedererrichtet werden. Dahinter wird es auf neuem Grundriss moderner. Tagungen sollen im Schlosskomplex stattfinden, ein großer Hörsaal bietet der Wissenschaft Platz, auch einen Konzertsaal wird es geben. „Eine kongeniale Verbindung von Geschichte und Innovation“, schwärmte der Generalsekretär der VW-Stiftung, Wilhelm Krull.
Die Dauerausstellung wird die Geschichte des Schlosses, seiner Bewohner und seines Gartens erzählen. Dabei soll es nicht nur um die Fürsten und ihr Herrschaftssystem gehen, sondern auch um die ausführenden Gärtner. Damit ist man dann schon bestens vorbereitet für die große Sonderausstellung „Als die Royals aus Hannover kamen“ 2014, mit der man den 300. Jahrestag der hannoversch-britischen Personalunion feiert. Dafür wird dann im Westflügel nochmal die in alle Winde verstreute Wallmodensche Kunstsammlung als Beispiel barocker Herrscherkultur vereint.
Doch noch steht der Bau nicht. Die Arbeiten liegen, auch frostbedingt, hinter dem Zeitplan. Hässlichen Gerüchten, die Fassade solle „mausgrau“ gestrichen werden, machte eine Expertenkommission rechtzeitig ein Ende. Sie entschied, dass ein mit dem Sandstein des Sockels harmonierendes Gelb dem Vorbild am nächsten komme.
Rund 100 Tage im Jahr will die Stiftung das neue Schloss selbst für wissenschaftliche Veranstaltungen nutzen, der Rest wird sich finden, sind die Macher sicher. Einen „ästhetischen Genuss im Gesamtkontext“ verspricht jedenfalls Hannovers Kulturdezernentin Marlis Drevermann. Sie hatte Schlagzeilen gemacht, weil sie sich bei den Personalkosten für das Schlossmuseum grob verrechnet haben soll.
Insgesamt wurden die Kosten des Vorhabens auf 20 Millionen Euro beziffert. Das dürfte erfahrungsgemäß eine vorläufige Größe sein. Kulturministerin Johanna Wanka, wohnhaft in Braunschweig, hebt das Kultur- und Wissenschaftszentrum des neuen Schlosses hervor. Sie vergisst nicht zu erwähnen, dass Braunschweig die erste Stadt war, die einen Schloss-Neubau gestemmt hat. Hier allerdings privat finanziert und mit einem Kaufhausanbau.
