Parallelwelten sind total plausibel“
Braunschweig In der Physik ist die Viele-Welten-Theroie äußerst umstritten. Der Film „Schilf“ beleuchtet diese Weltsicht neu. Ein Gespräch mit der Regisseurin.
Die promovierte Physikerin und Filmregisseurin Claudia Lehmann hält die Theorie, der zufolge es eine unendliche Menge gleichzeitig existierender, sich dauernd abspaltender Welten gibt, für durchaus möglich.
Am Rande der Premiere ihres neuen Films „Schilf“ nach einem Roman von Julie Zeh im Braunschweiger C1-Kino sagte sie unserer Zeitung: „Das Problem dieses theoretischen Ansatzes ist, dass er außerhalb unserer Vorstellungskraft liegt. Dabei ist er total plausibel, wenn man die Quantenmechanik, die für den Mikrokosmos gilt, auf den Makrokosmos ausweitet.“
In ihrem Film geht es um zwei Physiker, von denen einer am Schweizer Forschungszentrum Cern die Bausteine des Universums sucht. Der andere vertritt in seinen Vorlesungen die Viele-Welten-Theorie.
Der Kampf der beiden artet in ein Mordfall aus. Am Ende kommt ein vermeintlicher Kommissar ins Spiel, der sich im Film – im Gegensatz zu Zehs Buch – als einer der beiden Physiker entpuppt, der als alter Mann per Zeitreise aus einer anderen Welt kommt, um sich bei seinem Freund zu entschuldigen.
Eine solche Zeitreise, so erklärte die Regisseurin uns, sei nur möglich, wenn man die Viele-Welten-Theorie annehme. Denn diese setze den Ursache-Wirkung-Mechanismus außer Kraft. Warum sie die Figur derart umgedeutet habe, erklärte Claudia Lehmann so: „Mir fehlte die echte Möglichkeit einer anderen Welt. . Ich wollte zeigen, was es mit einem macht, wenn man Parallelwelten annimmt, also die Idee, dass etwas gleichzeitig möglich und nicht möglich ist.. Dass zwei Sachen gleichzeitig passieren, die sich eigentlich ausschließen. Dass etwas gleichzeitig wahr und unwahr ist“
Die Roman-Autorin sei mit der Änderung einverstanden gewesen. „Sie hat mir völlig freie Hand gelassen. Ich glaube, der Film hat ihr gefallen.“
