Ö 3.0 – der Lange kehrt zurück
Braunschweig Schauspieler Dirk Lange stammt aus Wolfenbüttel und gastiert ab Donnerstag mal wieder am Staatstheater Braunschweig im Sommerstück von Peter Schanz
Dirk Lange war Schauspieler, lange bevor er’s wurde. Während wir brav die Bänke des Literaturseminars der TU drückten, engagierte sich der gebürtige Wolfenbütteler in der Theater-AG und legte 1987 in Martin Sperrs „Jagdszenen aus Niederbayern“ mit Andreas Böttcher als Partner eine so reife Bühnenleistung hin, dass auch dem als Kritiker erst dilettierenden Kommilitonen klar war: Der kann’s und der packt’s.
Lange wagte den Sprung nach Hamburg auf eine private Schauspielschule. Und zurück nach Braunschweig, wo ihm Wolfgang Gropper 1997 das erste Festengagement anbot. Reichlich nah der Heimat aus Sicht reisiger Schauspielerkreise. Hier schaffte er als Wilhelm in Tom Waits „Black Rider“ den Durchbruch, zeigte Mut zur verlebten Stimme, entdeckte die rauen, schrillen Facetten seiner Persönlichkeit. Und so wurde „Franz, die Canaille“ aus Schillers „Räubern“, der aus Zurückgesetztheit fiese Bruder im Hause Moor, zu einer Schlüsselrolle seiner Karriere.
2002 wechselte er zu Günter Krämer ans Schauspiel Köln, arbeitete frei mit Armin Petras am Gorki-Theater Berlin und gehört seit 2008 zum Ensemble des Chemnitzer Theaters. „Ich bin ein Ensembletier, mag die vertrauten Gesichter, bin oft auch das ausgleichende Element unter den Kollegen“, erzählt er am Cafétisch an der Oker. Ein Ellenbogentyp war er nie, Reife stellt sich ein.
„In Köln war ich der aus der Provinz, musste erst wieder meine Nische finden. Man hat mich dort eher skurril besetzt, etwa als Großmutter in Molières ,Tartuffe’“, erzählt er. In Chemnitz galt er dann als der aus der Hauptstadt, „da wird dann geschaut, na was kann der denn“. Auch dort hat er seinen Platz gefunden, wird 2013 mit dem Intendanten ans Schauspiel Leipzig wechseln.
Der Chemnitzer Vertrag ließ ihm viele Möglichkeiten zum Gastieren. So spielte er inzwischen den in die Anarchie getriebenen Bruder Karl in Schillers „Räubern“ in Wunsiedel und den Faust in Ettlingen. Immer im Sommer, statt Urlaub. „Ich spiele einfach gern.“ Ab morgen wieder in Braunschweig, als Conférencier des „Ölperiums“. Unterhaltung hat für Lange nichts Anrüchiges. „Wir haben alle viel Spaß an den Verwandlungen, an den deftigen Charakteren.“
Er genießt die Lieblingsplätze an den Gastspielorten, das Zusammensein mit den Kollegen. „Und irgendwo ist dann immer einer, Schauspieler, Ausstatter oder Techniker, den man schon aus Braunschweig, Köln oder Chemnitz kennt.“ Lange hat viele solche Déja-Vus, gerade entpuppt sich die Bedienung im Café als Vorsprechkollegin.
Besonders gut getroffen hat er es jüngst in Erlangen: Mit seiner ehemaligen Braunschweiger Kollegin Anne-Cathrin Buhtz spielte er in der Regie von Gropper Zweig. „Die genaue atmosphärische Arbeit mit ihm ist immer eine Bereicherung. Und da er jetzt nicht mehr unser Intendant war, konnten wir auch ganz anders diskutieren“, sagt Lange.
Das gehört auch zur neuen Reife, dass er sich mit vagen Formulierungen nicht abspeisen lässt, auch nicht in Chemnitz oder Berlin. „Und ich sage auch, was ich falsch finde, auch wenn ich dann im Rahmen des Regiekonzepts eine Lösung suche.“
Mit 45 sind die Chancen auf manche Jünglingsrolle nun vorüber. „Ich werde wohl kein Leonce mehr sein, und selbst Hamlet wäre ja ein Student“, sagt er. Na, so ein vergrübelter Student, das ginge wohl noch. „Noch kann ich runterspielen, ja. Aber es muss ja auch der Erfahrungshorizont stimmen, um in einer Rolle glaubhaft zu sein.“ Gelassen steht er zu seinem Älterwerden. Wer dem Mackie Messer so überzeugend den Blues geben kann wie Lange 2010 als Gast in der „Dreigroschenoper“ des Staatstheaters, kann da nur gewinnen.
„Ölperium“ bis 9. September täglich. Restkarten: (0531) 1 23 45 67.



