Nur zwei Akkorde genügen dem Publikum zur Begeisterung
Wolfsburg Fünf Beatbands aus den 1960er-Jahren finden sich zum 50-jährigen Jubiläum des Alvar-Aalto-Kulturhauses in Wolfsburg zum Beatfestival zusammen.
„Wir spielen noch mal“, freut sich Wolfgang Freund und sagt nachdenklich: „Vielleicht ist es das letzte Mal“. Wolfsburgs älteste, bestehende Beatband will es am Sonntag, 2. September, 17 Uhr, nochmals wissen, wenn insgesamt fünf ältere Beatbands zum Revival anlässlich des Jubiläums „50 Jahre Alvar-Aalto-Kulturhaus“ antreten. Jede Band etwa 45 Minuten.
In die Jahre gekommen sind sie, aber sie träumen immer noch von „Peggy Sue“, beklagen fehlende „Satisfaction“ und fordern unvermindert „Roll over Beethoven“, sogar täglich „Eight days a week“. Damit sind die Songs, nochmehr die Bands auch schon genannt, die bis heute in den Charts stehen. Bill Haley, Cliff Richard, die Beatles, Searchers, Rolling Stones, Animals, Kinks ...
Die Milchbar im Kulturzentrum, so hieß damals das Alvar-Aalto-Kulturhaus, Jovis Keller, Studio 21 in Kästorf, Moorkater in Gifhorn waren die Orte, wo getanzt und geflirtet, geweint und gelacht wurde in den 1960er-Jahren. Dazu spielten Wolfsburger Bands wie „The Richards“ Beatmusik. Das Jugendamt unter der Leitung von Siegfried Schuster erkannte den neuen Trend und bat die „Richards“, im städtischen Auftrag zu spielen. Die Jungs taten es gern. Sie traten fortan, 1963, einmal monatlich im Kulturzentrum auf. Wie andere Beatbands.
Heute sind sie ältere Herren, Jürgen Dunkel, Gerd Labsweiler, Wolfgang Birg und Wolfgang Freund, aber sie treten immer noch stilecht auf: Schlaghose, weißes Hemd, schmale Krawatte, Weste, pomadige Haare. Wie 1963. Nein, nicht alle von ihnen. Bassist Wolfgang Birg ist nicht von Anfang an dabei. Er war gerade erst elf Jahre alt, als die Beatles die Welt erschütterten und „The Richards“ Wolfsburg einheizten. Überall waren sie gern gehört, und überall hatten sie ein Mädchen. Fotos mit Widmung im Bandalbum wecken Erinnerungen ... Die Mädchen trugen hoch toupierte frauliche Frisuren, Miniröcke und Pullis, die deutlich eingelaufen waren – so sehr zeichneten sich ihre gerade erwachten weiblichen Formen ab.
In „Schlips und Kragen“ ging man damals noch aus, auch ins Kulturzentrum. Heinrich Heidersbergers Fotografien zeigen es. Und volljährig war man erst mit 21 Jahren. Das war für die Richards ein Problem. Sie waren etwas älter als 15, als sie begannen. Allein Bandleader Jürgen Dunkel war volljährig. So fuhr er den Band-Käfer zu den Autrittsorten und unterschrieb alle Verträge für alle. 2500 Mark kostete damals ihre Musikanlage. Das war sehr viel Geld für junge Leute. Sie stotterten es ab, von Konzert zu Konzert.
30 Jahre später, zu Beginn der 90er-Jahre, rief Museumsleiterin Bettina Greffrath „The Richards“ zum Revival auf der Terrasse des Alvar-Aalto-Kulturzentrums zusammen. Jetzt, 50 Jahre später, ist es wieder soweit: „The Beat goes on“.
Ein, zwei Gitarrengriffe und schon weiß das Publikum, ob Chuck Berrys „Sweet little sixteen“ oder „The House of the Rising Sun“ von den Animals gespielt wird. Wolfgang Birg lässt den Bass swingen. Gerd Labersweiler gibt den schnellen, betonten Rhythmus an der Gitarre vor. Wolfgang Freund unterlegt alle Songs mit ekstatischem, virtuosem Spiel am Schlagzeug. Das Publikum tanzt: „Let‘s twist again“.
