Noch ein Großstadtmärchen
Braunschweig Mit dem Techno-Hit „Der Mückenschwarm“ wurde Oliver Koletzki bekannt. Sein neues Album bringt der Braunschweiger beim Musik-Riesen Universal heraus.
Stil vor Talent. Auf den Namen muss man erstmal kommen. Oliver Koletzki hat seine Berliner Plattenfirma so getauft. Dabei hat der gebürtige Braunschweiger allemal ein Talent dafür, erfolgreiche Popmusik zu kreieren.
2005 eroberte sein Techno-Stück „Der Mückenschwarm“ die Clubs weltweit. Koletzki, damals vor allem als DJ aktiv, hatte den Durchbruch als Komponist und Produzent geschafft. Doch statt sich nun ganz auf Techno zu konzentrieren, begann er wieder Songs zu schreiben. Drei Alben hat er seitdem auf „Stil vor Talent“ veröffentlicht. Anfang März erscheint das vierte, „Großstadtmärchen 2“ – diesmal allerdings bei der großen Plattenfirma Universal.
Es ist eine Sammlung von zwölf geschliffenen Elektro-Pop-Perlen, sorgsam produziert, aber sparsam instrumentiert, meist getragen von eingängigen Bass-Schlagzeug-Linien, die Koletzki größtenteils am Computer programmiert hat. „Ich komme aus einem minimalistischen Techno-Hintergrund. Und mir ist wichtig, dass der Gesang genug Raum hat“, sagt der 37-Jährige.
Acht Gesangstitel finden sich neben vier Instrumentals auf „Großstadtmärchen 2“. Jeder wird von einem anderen Sänger interpretiert. Der bekannteste ist Bosse mit der schnoddrig-melancholischen Nummer „Karambolage“. Die übrigen Stimmen sind Berliner Szenegrößen wie Jan Blomqvist oder Hoffnungen wie Björn Störig, gebürtiger Braunschweiger und Trommler in Koletzkis Band-Projekt The Koletzkis. Die Sängerin Fran, Koletzkis Frau, ist mit der Ballade „Still“ vertreten.
Die Texte stammen vom jeweiligen Interpreten, stellt Koletzki klar. Einer der eindrucksvollsten Titel ist „The Power of Rausch“ von Nagel. Einst Kopf der Punkband Muff Potter, heute freier Autor, liest Nagel über nervös-anstachelnde Rhythmen einen abgründigen Text: Über die Sehnsucht eines kaputten Nachtschwärmers nach dem Kick. „Und wäre es nur ein Näschen von Itchies Schrottspeed. Das Kribbeln in der Nase, der taube Gaumen, der bittere Geschmack, der langsam den Hals runterläuft – das wäre schön.“
Wie steht der Techno-DJ Koletzki zu Drogen? „Die Popkultur ist schon immer mit Drogen verbandelt. Musiker wollen ihre Kreativität anstacheln, Fans auf der Tanzfläche länger durchhalten. Alles in Maßen, ist meine Meinung. Am Wochenende mal was zu trinken, ist okay. Wer jeden Tag trinkt, ist Alkoholiker.“
Apropos: Zur Musik kam Koletzki Anfang der 90er Jahre durch Oliver Stones Filmepos über „The Doors“. Er gründete eine Band, die vorzugsweise Songs von Hippie-Ikonen nachspielte. Nach ein paar Jahren setzte ihn die Gegenwärtigkeit des Hip-Hop auf eine neue Spur. Er begann aufzulegen und mischte in der Formation Lyrische Präsenz mit – bis ihn um 1997 der Techno abholte. „Im Hip-Hop ging es nur noch ums gegenseitige Runtermachen und die Frage, wer der größte Gangster ist. Auf den frühen Techno-Partys war die Stimmung viel besser, und besser tanzbar war Techno auch.“
Koletzki beendete seine Banklehre, ging nach Berlin, jobbte und produzierte im Stillen seine eigenen Techno-Tracks, bis ihm mit dem „Mückenschwarm“ der Durchbruch gelang. Als DJ ist er weiter gefragt, aber mindestens ebenso gern tritt Koletzki mittlerweile mit seiner Band The Koletzkis auf, mit der er seine eigenen Elektro-Songs nachspielt. Im Sommer soll es auf „Großstadtmärchen“-Tournee gehen. Der Termin fürs Braunschweig-Konzert steht noch nicht fest.
Dafür ist Koletzki am Samstag, 25. Februar, im Brain-Klub als DJ zu erleben, gemeinsam mit Jan Blomqvist, Björn Störig und Niconé.
