Es begann mit einem Zeppelin
Braunschweig Für das Festival Theaterformen erarbeitet der kroatische Schauspieler Edvin Liveric mit Braunschweiger Kollegen eine Uraufführung.
Bei jeder Probe wird Edvin Liveric ein Eimer Wasser über den Kopf gegossen. Der kroatische Schauspieler findet das großartig. Daheim in Zagreb, am renommierten Schauspielhaus Z/K/M, würde die Arbeit trockener ablaufen – wörtlich. „Da fehlen uns die Mittel, bei den Proben so einen Aufwand zu treiben.“
Einige Wochen hat Liveric in Braunschweig verbracht und mit den Kollegen vom Staatstheater und Haus-Regisseurin Daniela Löffner das Stück „Landscape with the Fall“ (Landschaft mit Absturz) einstudiert. Geschrieben hat es die in Kroatien hoch gehandelte Autorin Ivana Sajko, 36. Die Uraufführung steigt im Rahmen des Festivals Theaterformen am Freitag im Kleinen Haus des Staatstheaters.
Sajko hat kein Dialogstück geschrieben, sondern eine poetische Textcollage, die um eine schwangere Frau, um revolutionäre Unruhen, um die Explosion des Zeppelins Hindenburg und ein Frachtschiff kreist, dem wochenlang die Hafeneinfahrt verweigert wird.
„Das bezieht sich auf einen Vorfall, der für Aufsehen in Kroatien sorgte. Das Schiff lag wochenlang vor meiner Heimatstadt Rijeka. Es war alt und galt als ökologische Bombe, darum durfte es nicht in den Hafen. Doch es konnte auch nicht zurück, weil die griechische Reederei bankrott war“, erzählt David Liveric über die schwierige Lage der Seeleute, die schließlich von der Bevölkerung versorgt wurden.
Grundsätzlich gehe es Ivana Sajko um ein Unbehagen an Technikglaube und kommerzialisierter Globalisierung, meint Liveric. Auch in Zagreb komme es deswegen zu Protesten, etwa, als jüngst ein öffentlicher Platz der Tiefgarage eines Einkaufszentrums geopfert werden sollte.
Über die Arbeit mit den Braunschweiger Kollegen daran, die assoziative Textfläche für die Bühne zu inszenieren, äußert der 41-Jährige sich begeistert. „Es war wie eine Jazz-Session. Wir spielen alle eine gemeinsame Rolle und müssen intensiv aufeinander achten. Jeder Durchgang war neu, man wusste nie genau, wer die nächste Passage übernimmt. Es gab brillante Momente, die wir dann vertieft haben.“
Auch an seinem Stammhaus Z/K/M sei man aufgeschlossen für neue Spielformen, sagt Liveric. Er liebe körperbetontes Spiel und habe diesen Aspekt auch schon früh selbst wieder Studenten vermittelte, als einer der jüngsten Professoren der Akademie für Schauspielkunst in Zagreb. Neben seinem Engagement am Z/K/M leitete Liveric zeitweise auch ein modernes Tanzfestival. Die meisten Kroaten werden ihn aber aus populären TV-Serien kennen, in denen er ebenfalls Rollen übernimmt.


