Ein bisschen Angst tanzt noch mit
Braunschweig Daniel Gillard kehrt nach einem lebensgefährlichen Unfall auf die Bühne zurück – Titelpartie in Jan Puschs Choreografie „Match“
Am Hals ist nur ein feiner roter Strich zurückgeblieben. Die Narbe einer gar nicht ungefährlichen Operation, die Daniel Gillard nach einem Bühnen-Unfall Anfang des Jahres über sich ergehen lassen musste. Nach einem Sprung mit zu viel Schwung war er auf dem Kopf gelandet. Eine Bandscheibe war verrutscht. Wie sich hinterher herausstellte, hätten ein paar Zentimeter mehr Lähmung bedeuten können.
Zwei Halswirbel sind nun durch eine Metallplatte verbunden, ein halbes Jahr lang durfte er den Kopf nicht drehen. Langsam hat sich der Staatstheater-Tänzer wieder vorgearbeitet, Muskeln trainiert, die fast völlige Beweglichkeit wiederhergestellt. Und am Sonntag hat er Premiere, endlich. In der Wiederaufnahme von Jan Puschs Tanzstück „Match“ tanzt er den männlichen Part – eigentlich hätte er schon seit Mai darin mit einem Kollegen abwechseln wollen.
„Ich fand es sehr freundschaftlich von Jan, dass er schon damals die Wiederaufnahmeserie für mich reserviert hat, das hat mir gezeigt, dass er daran glaubte, dass ich es schaffe.“ Im Mai hat er bei den Proben des Kollegen immerhin schon zugesehen, nun alles turbomäßig nachgeholt. Mit vollem Einsatz? Ein bisschen Angst schwinge schon noch mit, räumt Gillard ein.
Aber dass er zwischendurch noch mit – leichtem – Rucksack durch Indonesien wanderte, spricht für seine Gesundung. „Ich musste mich irgendwie belohnen dafür, dass doch alles gutgegangen ist“, sagt er.
Nun könnte der gebürtige Amerikaner ja auch als Dolmetscher arbeiten, so perfekt ist sein Deutsch. Aber Tänzer sind ja Überzeugungstäter, lieben ihre Kunst. Gillard hat sie spät entdeckt. Erst mit 17 nahm er klassischen Unterricht, nachdem ihn ein Lehrer beim Highschool-Musical für die Hauptpartie besetzt hatte. „Ich war vielleicht nie so ein exzellenter Techniker, aber ich weiß, wie gut mir das klassische Training tut. Danach sind einfach alle Muskeln warm, und ich kann in jedem Stil tanzen“, erzählt er.
Und weil er so schön groß und kräftig ist, wurde er dann auch engagiert in Baltimore und North Carolina, neoklassischen Compagnien. „Die brauchten eben Jungs, die die Frauen gut heben konnten.“ Viel gelernt habe er in dieser Praxiserfahrung, auch Modern Dance kennengelernt, der ihn seither mehr interessiert. Über Minnesota ging’s nach Montreal. Und statt im Urlaub zu jobben, wie sonst, hat er sich 2008 ein Flugticket nach Frankfurt gegönnt, „200 Euro hin und zurück, ein Glückspreis“.
In vier Wochen hat er zahlreiche Vortanzen absolviert. In Darmstadt wurde er genommen, 2010 kam er nach Braunschweig. Jetzt hat er wieder ganz viel Lust aufs Tanzen.
„Match“ wieder ab 23. September, 19.30 Uhr. Karten: (0531) 1 23 45 67.
