Die Party dauert ein Vierteljahrhundert
Braunschweig Braunschweigs Glamrock-Institution Sweety Glitter and The Sweethearts feiert ihr Jubiläum mit einem Konzert im Raffteichbad und einer neuen CD.
Der Mann, der auf der Bühne seit 25 Jahren als ewig junger Rock’n’Roll-Prinz Sweety Glitter überzeugt, sah ohne Schminke und Perücke schon mal deutlich müder aus.
Volker Petersen, Sänger, Gründer und Mastermind der Sweethearts, räumt ein: „Vor vier Jahren waren wir im Tal. Unser langjähriger Bassmann Frank Barn stieg aus, wir hatten alle die 40 überschritten, steckten in der Midlife-Crisis, redeten uns über eigene Songs und unverkleidete Auftritte die Köpfe heiß.“
Kurz gesagt: Die Glamrock-Institution Sweety Glitter stand vor dem Aus. Dann kam Michael Hinze. Der war am Bass mit den Shifty Sheriffs erfolgreich – vor langer Zeit. „Mitch hat uns alle neu mitgerissen“, erzählt Petersen. „Seine Freude, bei uns mitzuspielen, hat uns wieder gezeigt, was wir an uns haben: eine verdammt gute Rock’n’Roll-Band. Die wollen wir noch lange bleiben.“
Begonnen hatte ihre Geschichte 1987 mit einem tragischen Ereignis. Christian Schneider, der Keyboarder der jungen Braunschweiger Deutschrock-Gruppe Magic Bummfidel, starb mit 21 Jahren.
Ohne ihn wollten Sänger Petersen, Gitarrist Lutz Müller und Bassist Mirko Herzberg nicht mehr weitermachen wie bisher. „Da sagte ein Freund: Versucht’s mal mit Glamrock. Das macht niemand.“
Petersen und Co plünderten die Schränke ihrer Eltern, ließen sich schrille Klamotten nähen, besorgten sich Plateaustiefel. „Die 70er waren damals völlig out“, sagt Petersen. Doch das grelle Kunstprodukt Sweety Glitter kam prächtig an. Die Band erspielte sich schnell einen Ruf als Partyknüller weit über Braunschweig hinaus.
Anfangs wechselten die Musiker häufig. Zahlreiche Größen der Braunschweiger Szene mischten mit, von Christian Eitner über Jan-Heie Erchinger, Claus Hartisch und Lutz Sauerbier bis zu Eddie Filipp.
„1992 beschlossen wir endgültig, das Ding professionell durchzuziehen“, erzählt Stefan Jahnke, seit Beginn als Manager dabei. „Das hieß: Jeder Gig wird gespielt, es gibt keinen Urlaub, jeder muss immer verfügbar sein.“ So gehe das bis heute.
Professionelle Rock’n’Roll-Stimmungskanone – leicht sei das nicht. Krisen, Trennungen, Trauerfälle, körperliche Probleme: Vor der Bühne darf das niemand merken. Rotwein habe ihm über Jahre bei der Verwandlung in Mr. Sweety geholfen, sagt Petersen. „Seit zwei Jahren trinke ich nicht mehr. Man sagt: Nimm einem Verrückten den Alkohol weg – und er ist immer noch verrückt. Stimmt! Der Job macht mir mehr Spaß denn je.“
Reich seien sie mit der Band nicht geworden. „Aber wir sind freie Männer.“ Buchungen abzusagen, könnten sie sich aber nicht leisten, begründet Jahnke, warum das Jubiläumskonzert am Raffteich 25 Euro Eintritt kostet, während sie auf dem Maschseefest dreimal kostenlos zu sehen waren. Dafür werde es aber eine besondere Show mit Gästen – und alle Besucher des Eintracht-Spiels bekämen 5 Euro Ermäßigung.
Jubiläumskonzert mit Royal Squeezebox, Glare und Gästen am 24. August ab 19 Uhr im Raffteichbad Braunschweig. Am 22. August stellen Sweety Glitter im SAT1-Frühstücksfernsehen ihre neue CD „Together“ mit zwei Eigenkompositionen vor.



