Die Fußballsprache ist Deutsch
Braunschweig Sprachwissenschaftler Armin Burkhardt aus Braunschweig ist Chef der Gesellschaft für deutsche Sprache. Er schrieb das Wörterbuch der Fußballsprache.
Denglisch ja oder nein? Der Sprachwissenschaftler Armin Burkhardt, der seit einem Jahr der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) vorsteht, sieht das unverkrampft. „Man sollte immer erst genau prüfen, ob es nicht deutsche Entsprechungen gibt. Aber offenbar werden Entlehnungen aus dem Englischen wie Handy problemlos verstanden. Wir haben den Nutzern keine Vorschriften zu machen“, sagt er.
Gleichwohl ist er auch für klare Normen, etwa bei Grammatik und Rechtschreibung. „Es muss Festlegungen geben, um die Kommunikation sicherzustellen.“ Aber durch Denglisch sieht er die deutsche Sprache keineswegs in Gefahr. „Solange wir die Wörter entsprechend der deutschen Grammatik beugen, geht das klar. Wir übernehmen ja nicht den englischen Plural ,Computers’ und beugen im Akkusativ Plural immer noch ,den Computern’“.
Für Burkhardt gehören die Entlehnungen dem Nehmer-, nicht dem Geberland. Und so mag das „Public Viewing“ im Englischen auch Leichenschau heißen, im Deutschen stehe es eben für gemeinsame Fernseherlebnisse auf Großbildleinwand. Es sei dann kein englisches Wort mehr, sondern habe nur englische Form, aber deutsche Bedeutung.
Burkhardt, der in Braunschweig wohnt, hier studierte, promovierte und sich habilitierte, lehrt an der Universität Magdeburg. Er ist seit 35 Jahren Eintracht-Mitglied, Dauerkartenbesitzer im Stadion und aktiv als Handballer. In seinem „Wörterbuch der Fußballsprache“ hat er alle Fachausdrücke kommentiert. „Nur 60 von 2200 waren englischen Ursprungs, etwa fair, Trainer, Sport.“ Burkhardt begründet das historisch. Und braunschweigisch. „Unser Konrad Koch lebte in einer Zeit des Sprachpurismus, als man konsequent gegen fremdsprachliche Ausdrücke vorging. So hat er bei der Verfassung seines Regelwerks peinlich darauf geachtet, dass alle Begriffe übersetzt wurden. Im Film ist das genau falsch dargestellt, da dort Daniel Brühl seine Schüler via Fußball Englisch lehrt“, erklärt Burkhardt. Die Fußballsprache sei Deutsch.
Ein weiteres Forschungsthema Burkhardts ist politische Sprache. Seine Habilitation „Zur Geschichte des Zwischenrufs“ kennzeichnet auch die Entwicklung des deutschen Parlamentarismus. „1848 gab es ein Diskussionsparlament mit wenig Zwischenrufen, denn man sprach miteinander, um Entscheidungen zu treffen. Jetzt haben wir ein Schaufensterparlament, in dem die schon getroffenen Entscheidungen nur reflektiert werden.“ Daher gebe es mehr Zwischenrufe, man schiele auf Pointen. Die Diskussionen hätten sich in die Talkshows verlagert.
Noch eine weitere Vorliebe hat Burkhardt, die ist gute Braunschweiger Tradition, begründet von seinem Doktorvater Helmut Henne: Literatur, interpretiert mit den Instrumenten der Gesprächsanalyse.
In der GfdS ist Burkhardt seit seinen Assistententagen in Darmstadt Mitglied, war dort auch Ortsvorsitzender. Sie wird staatlich gefördert und unterhält eine Stelle im Bundestag, die Gesetzestexte auf sprachliche Richtigkeit prüft. Ein neues Projekt im Justizministerium soll auch für bessere Verständlichkeit sorgen. Der Medienpreis für Sprachkultur und das „Wort des Jahres“ (2011: Stresstest) sollen zum Nachdenken über Sprache anregen.
Die GfdS war auch maßgeblich an der Rechtschreibreform beteiligt. „Mit der bin ich nicht so glücklich, da sie inkonsequent ist. Aber wir haben die Reform der Reform durchgesetzt, nun herrscht Frieden“, sagt er. Er hätte am „ß“ auch im Auslaut nach kurzem Vokal festgehalten oder nur noch „ss“ akzeptiert.
Wichtig ist ihm jetzt, dass Deutsch als Amtssprache der EU seine Bedeutung behält. „Deutsche können gut andere Sprachen und weichen zu bereitwillig auf diese aus“, sagt Burkhardt, der selbst Englisch, Französisch Italienisch, Spanisch, Russisch, Chinesisch spricht und gerade Türkisch lernt. „Mir macht das Formenlernen Spaß!“
Am 3. November wird mit einem Symposium an der TU ein Ortsverein der GfdS in Braunschweig gegründet. Kontakt unter: armin.burkhardt@ovgu.de

