Der Hacker
Braunschweig Vor sieben Jahren zog der gelernte Großstädter Christoph Braun nach Evessen. Nun hat er ein Buch über die Faszination des Landlebens geschrieben.
Es kam der Tag, an dem der Popjournalist Christoph Braun von Berlin aufs Land zog. Nach Evessen, ein hübsches Dorf, an den Südrand des Elms geschmiegt.
Und es kam der Tag, an dem er erstmals zur Hacke griff. Eine Offenbarung! Denn bis dahin hatte Hacken für Braun nur eine Bedeutung: digitale Piraterie. Und nun das: Der herbe Geruch aufgewühlter Erde, frische Luft, die Düfte und Farben des Gartens. Selbst die Erschöpfung eine ganzheitliche Erfahrung: Muskeln zu spüren, von denen er nichts geahnt hatte.
Hacken und Hacken – grundverschiedene Tätigkeiten. Oder nicht? Braun, 41, sieht eine Parallele: „Unabhängigkeit. Die Kulturtechnik Hacken ist grundlegend für den Anbau eigener Nahrung. Und beim Computer-Hacken kann es darum gehen, sich unabhängig zu machen von Firmen, die Kommunikation lenken und kommerziell nutzen. Oder zumindest darauf hinzuweisen – wie es der Chaos Computer Club tut.“
Der Gedanke faszinierte Braun. Vor allem aber das Landleben. Im industriell geprägten Saarland aufgewachsen, hatte er jahrelang in Berlin studiert und gearbeitet. Als DJ und Autor für Popmagazine wie „Spex“ und „Groove“.
Als er 2005 mit seiner Lebensgefährtin, der Künstlerin Fehmi Baumbach, und Tochter Mascha an den Elm zog, war das eine ganz neue Erfahrung: „In einer Region zu leben, die von der Landwirtschaft geprägt ist.“ Nachmittags arbeitete Braun weiter als Kulturjournalist, auch für unsere Zeitung, vormittags half er auf einem Biohof. Für die Internet-Ausgabe des „Spex“ schrieb er einen Blog darüber.
Daraus ist nun ein Buch geworden, das im renommierten Verlag Klett-Cotta/Tropen erscheint: „Hacken. Leben auf dem Land in der digitalen Gegenwart“. Ein „literarisches Sachbuch“, wie Braun betont. Es gehe ihm nicht um eine Anleitung zur Gartenarbeit, sondern darum, ein Lebensgefühl einzufangen.
Das gelingt ihm prima. Braun ist ein eleganter Stilist. Gekonnt springt er zwischen sinnlichen Eindrücken und Reflexionen, Schilderungen der Ökoszene am Elm und der Berliner Subkultur hin- und her. Der Nutzwert freilich ist gering. Um im Bild zu bleiben: Dieses subjektive Sachbuch ist eher Blume denn Kartoffel.

