Der Fagottist
Braunschweig In unserer Serie „425 Jahre Staatsorchester Braunschweig“ erklärt heute Alfred Böhm sein Instrument.
Ich spiele Fagott, weil …
an meiner Schule ein Leihinstrument frei wurde und das Schulorchester einen Fagottisten gebrauchen konnte. Ich liebe das Instrument, weil es so viele Facetten hat. Man kann fast sagen, es ist ein klangliches Chamäleon. Es gibt den Bass der Holzbläser, mischt sich im Klang mit den Hörnern, fügt im Zusammenspiel mit den Streichern eine eigene Farbe hinzu und darf immer wieder auch solistisch hervortreten.
Mein Instrument nervt mich manchmal ganz fürchterlich,
weil …
die Suche nach dem „guten Rohr“ nicht nur nervig, sondern geradezu existenziell ist. Das Mundstück erzeugt den eigentlichen Ton und ist ein Verschleißteil aus einer Art Bambusholz, von dem schon um 1700 geschrieben wurde, dass es die besten Maitres „sich selbst nach dem Maule fertigen, da ein Rohr halb gespielet sei“. Auch ich fertige meine Mundstücke selbst.
Die drei Werke, bei denen mein Instrument am schönsten zur Geltung kommt, sind …
„In der Halle des Bergkönigs“ aus Griegs „Peer Gynt Suite“ sowie die Kantilene im 2. Satz von Tschaikowskys 4. Symphonie und Schostakowitschs 9. Symphonie. Aber das Fagott kommt auch und gerade dann zur Geltung, wenn man es nicht eindeutig erkennt, wenn der direkte und individuelle Ton transzendiert wird und in Gemeinschaft mit den anderen Instrumenten zu einer Klangfärbung beiträgt, die den Hörer im Innersten berührt.
Wenn ich im Orchester das alleinige Sagen hätte, würde ich…
ganz viel Mozart-Opern spielen, seine Klavierkonzerte und Schubert. Und damit die Blechbläser, Harfe- und Schlagzeugkollegen, die dabei nicht so viel zu tun haben, nicht traurig sind: Dvorak, Mahler, Strauß.
Der beste Witz zu meinem Instrument:
„No, was spielste? Fa Gott??? Tät ich lieber spielen fa die Leit.“ (Das muss sich übrigens nicht ausschließen, da nach Bach die Musik da ist „zum Lobe Gottes und zur Recreation des Gemüts.)


