Das stumme Scheitern eines Stars
Los Angeles Mit drei Golden Globes hat der Stummfilm „The Artist“ in der Nacht zum Montag triumphiert.
Die Hommage an die Stummfilm-Ära Hollywoods unter der Regie des Franzosen Michel Hazanavicius, die bei uns am 26. Januar in die Kinos kommt, wurde als beste Komödie, für die Musik und den wortlosen Auftritt des Hauptdarstellers Jean Dujardin als Stummfilm-Star George Valentin, der den Sprung zum Ton film nicht schafft, ausgezeichnet. Vorlage war das Schicksal des großen Mimen Douglas Fairbanks. Mit Dujardin sprach Barbara Munker.
In Zeiten von 3D und Spezialeffekten haben Sie mit einem Schwarz-Weiß-Stummfilm einen Treffer gelandet. Wie erklären Sie sich das ?
Wenn der Film so einen großen Anklang findet, muss man davon ausgehen, dass das Publikum ein bisschen Nostalgie liebt. Ein Film wie unserer bezieht den Zuschauer viel mehr emotional mit ein. Manche Kinofilme sind durch ihre Spezialeffekte fast entmenschlicht.
War es schwierig, einen Stummfilm zu drehen?
Ich rede ja.
Aber man hört es nicht, weil der Ton nicht aufgenommen wurde. Mussten Sie wie die alten Stummfilmstars größere Gesten machen und mehr Ausdruck in Ihre Mimik legen?
Das kommt auf die Szene an. Als ich als Schauspieler quasi im „Film im Film“ zu sehen bin, habe ich sehr viel agiert – ein bisschen wie Douglas Fairbanks. Aber es ist vor allem Regisseur Michel Hazanavicius, der den Film vorantreibt und erzählt, je nachdem wie er die Einstellungen wählt.
Es gibt eine Szene, in der sieht man George Valentins Filmplakat im Regen auf dem Boden liegen, und die Passanten laufen achtlos darüber. In dieser einzigen Einstellung erzählt Michel unglaublich viel – nämlich dass George am Boden ist. Wir Schauspieler haben dem Film einfach nur unsere Gefühle geliehen. Ich spiele gerne mit Ausdrücken und Gesten. Ich bin auch etwas schüchtern, deshalb verstecke ich mich gerne hinter den Figuren.
Welche Stummfilmstars waren die Vorbilder für Ihre Rollengestaltung?
Ich habe alle Filme mit Douglas Fairbanks angeschaut. Seine Figuren waren für mich Vorbild – ein bisschen selbstverliebt, arrogant und immer gut drauf. Vor dem Dreh habe ich auch „Ein Mensch der Masse“ von King Vidor gesehen, „City Girl“ von Murnau, einiges von Charlie Chaplin und Vittorio Gassman. Gene Kelly kenne ich auswendig.“

