Aus Ina Müllers Schatten
Braunschweig Ein Interview mit Johannes Oerding, dem 30-jährigen Musiker und Freund der Entertainerin vor seinem Gastspiel in Braunschweig
Den Pop-Musiker Johannes Oerding kennen viele nur durch seine Beziehung mit der 17 Jahre älteren Entertainerin und Sängerin Ina Müller. Dass er auch als Sänger und Songschreiber überzeugen kann, will er am Mittwoch, 2. Mai, in der Braunschweiger Meier Music Hall beweisen. Wier sprachen mit dem 30-Jährigen über seine Musik, Ina Müller und den Bandhund James.
Sie sind in dem kleinen niederrheinischen Ort Geldern aufgewachsen. Wie kommt man von da aus ins große Musikgeschäft?
Das konnte ich lange selber nicht beantworten. Geldern ist ziemlich weit entfernt von allem, was damit zusammenhängt. Der einzige Weg führt über die Großstadt.
In meinem Heimatort hatte ich kleinere Auftritte mit einer Schülerband. Nach einem sprach mich ein Produzent aus Hamburg an. Ich habe dann aber erst einmal studiert, Marketing, bis ich mich entschied, alles auf eine Karte zu setzen und nach Hamburg zu ziehen. Ich habe dort viel auf kleinen Bühnen gespielt. Irgendwann kamen die Plattenfirmen.
Viele Fans finden Ihr aktuelles Album schwermütig. Sie auch?
Ich finde schon, dass auch einige Lieder zum Schmunzeln dabei sind, „Morgen“ etwa. Natürlich habe ich auch melancholische Songs geschrieben. Man kann sich ja nicht dagegen wehren, wenn man mal eine schlechte Zeit hat. Es kann aber sein, dass sich das auf meinem dritten Album ändert. Schließlich habe ich in letzter Zeit viel Gutes erlebt. Und meine Konzerte klingen eh lauter und bunter als die Platten.
Auf ihrer Internetseite steht, dass Sie einen Hund namens James mit zu Ihrer Band zählen.
Er ist leider gestorben. Ich hatte noch keine Zeit, das auf meiner Seite zu ändern. James war viel mit uns unterwegs und hat sich bei Auftritten hinter der Box alles angehört.
Sie singen auf Deutsch. Ist das für Sie selbstverständlich?
Früher in der Schulband haben wir viel nachgespielt, und dann auch auf Englisch. In meinen Texten arbeite ich gerne mit Metaphern und will eigene Bilder erzeugen. Das kann ich nur in meiner Muttersprache.
Die Urheberrechts-Debatte in der Popmusik ist in letzter Zeit neu entbrannt. Wie stehen Sie dazu?
Das ist eine schwierige Kiste. Mit einer pauschalen Aussage setzt man sich nur in die Nesseln.
Das Internet ist nicht zu verteufeln, es ermöglicht immerhin Kontakte zu vielen Menschen. Für die Musiker ist es Fluch und Segen zugleich. Musikvideos auf Youtube sollten für die Konsumenten vielleicht weiter kostenlos bleiben. Wenn die Betreiber der Plattformen aber beispielsweise über Werbung viel Geld verdienen, ohne die Künstler zu beteiligen, ist das ein Zeichen fehlender Wertschätzung.
Sie sind mit der Sängerin und Moderatorin Ina Müller liiert. Auf Ihrer Internetseite wünschen sich Fans gemeinsame Auftritte. Wie stehen sie dazu?
Das wird es in naher Zukunft nicht geben. Wir machen beide unsere eigenen Programme. Wir wollen ja kein Schlagerduo wie Cindy und Bert sein.
Auch wenn Sie sich als Musiker zunehmend einen Namen machen, verdanken Sie Ihre Bekanntheit auch der Popularität von Ina Müller. Stört es Sie, darauf angesprochen zu werden?
Stören wäre übertrieben. Ich sage aber selten etwas zu privaten Themen. Man liest eine Menge, aber die Wirklichkeit hat damit nicht immer etwas zu tun.
Ich mache seit 15 Jahren Musik, schon lange, bevor ich Ina kannte. Und mir geht es gut.
Wie läuft Ihre aktuelle Tournee?
Wir spielen in vielen Städten, in denen wir noch nie waren, und da leistet man noch einmal viel Überzeugungsarbeit bei seinem Publikum. Wenn die Leute wollen, dass wir wiederkommen, dann haben wir unsere Mission erfüllt. Ich bin sowieso gerne auf Tour mit meinen Jungs. Deswegen mache ich den Job.
