Von heiter bis geistlich
Wolfsburg Die Wiener Sängerknaben begeisterten und berührten 900 Besucher im ausverkauften Wolfsburger Theater
WOLFSBURG. Der „Frühlingsstimmenwalzer“ an einem kalten Dezemberabend – da wurde 900 Wolfsburger Theaterbesuchern am Mittwochabend warm ums Herz. Die Wiener Sängerknaben gastierten unter Leitung von Manolo Cagnin mit ihrem Weihnachtskonzert.
Die beschwingte Johann-Strauß- Komposition im ersten Teil des Abends setzte thematisch und melodisch einen Kontrapunkt. Genauso wie der „Waldhansl“, ein Volkslied aus dem Ausseerland. Während dessen Präsentation entpuppten sich einige Sängerknaben als begabte Instrumentalisten. Mit Posaune, Trompete, Fagott, Kontrabass und Violine begleiteten sie den Gesang ihrer Gefährten. Das setzte die heitere, säkulare Note im ersten Teil der Aufführung.
Ansonsten war der geprägt von geistlichem Liedgut wie dem finnischen „Gaudete“ von 1582 oder Franz Schuberts „23. Psalm“. Und darüber hinaus von Auszügen aus Carl Orffs „Carmina Burana“ mit ihrer großen klanglichen Dramatik.
Manolo Cagnin führte seinen Chor mit leidenschaftlicher, bisweilen fast überschwänglicher Gestik und mit intensiver Körpersprache. Er vermittelte den Eindruck, jeden einzelnen Ton der Lieder zu durchleben.
Die Sängerknaben präsentierte er durch diesen immensen Einsatz als ein klanglich sehr geschlossenes Ensemble mit exzellenten, auf den Punkt konzentrierten Solisten. Glockenheller Klang, gepaart mit sehr guter Artikulation, atmosphärische Dichte verbreitende Interpretation, vor allem des geistlichen Liedguts und der Weihnachtslieder, das waren die künstlerischen Charakteristika der jungen Wiener in ihrer traditionellen Matrosen-Kleidung.
Die Faszination dieses österreichischen Gesangsensembles ist ungebrochen, was sich nicht allein an der hohen Besucherzahl festmachen lässt. Während des Auftritts gab es Augenblicke, in denen man hätte eine Stecknadel fallen hören.
Jene mehrten sich sogar noch nach der Pause, als Manolo Cagnin und die Wiener Sängerknaben sich ausschließlich weihnachtlichem Liedgut zuwandten. Populäre Weisen wie „Leise rieselt der Schnee“, „Oh Tannenbaum“ oder „Joy to the world“, wurden in interessanten Arrangements präsentiert. Sie hinterließen beim Auditorium tiefen Eindruck.
Zu den in Gesang und Interpretation herausragenden und mit besonderem Beifall bedachten Stücken zählten „Maria durch ein Dornwald ging“, „Es ist ein Ros entsprungen“, sowie die englischen Evergreens „Have yourself a merry little Christmas“ und „Jingle Bells“.
Fast zum Schluss kam die emotionale Krönung: Der Vortrag von „Stille Nacht“ in mehreren Sprachen. Diese Momente vermittelten ein Gänsehautgefühl – wie viele Besucher nach dem Konzert hervorhoben. Nach dem Finale des grandiosen Konzerts, gesungen wurde der Popsong „We are the world“, ernteten die Wiener Sängerknaben um Chorleiter Cagnin ihren Lohn. Der drückte sich in lautstarkem, rhythmischem Klatschen von 900 begeisterten Zuhörern aus.
