Neujahrskonzert mit dem Staatsorchester: Klingeln Sie mit!
Braunschweig Klangvoll beginnt das neue Jahr: Das Staatsorchester Braunschweig erhielt Mittwochabend reichlich Applaus für das Neujahrskonzert in der Stadthalle.
Schalten Sie jetzt bitte Ihr Handy ein. Ja ein! In Johann Strauß Sohns Polka „Durch’s Telephon“ durften die Zuschauer Mittwochabend tüchtig mitklingeln. Auf ausdrücklichen Wunsch von Orchesterdirektor Martin Weller, der damit die Vorstellung der Klangerweiterung à la John Cage verband, ließ nicht nur der Percussionist seine dem Telefon nachempfundene Klingel tönen, sondern es gab Einsätze für die Zuschauer zum Mitmachen.
Für Weller war dieses Stück Beweis für die Modernität der oftmals belächelten Walzerkönige, die eben nicht nur die Menschen tänzerisch in Wallung gebracht hätten, sondern auch vielen Zeiterscheinungen wie eben dem Telefon in ihren Werken Raum gaben. Oder sogar damals umstrittene Komponisten wie Wagner in ihre Konzerte einbauten. Oder parodierten. Von Wagner und Verdi, den beiden 200-Jährigen des neuen Jahres, gab es dann aber erst in der Zugabe etwas zu hören. Dabei wäre genau das spannend gewesen: ein typisches Konzertprogramm jener Walzertage des 19. Jahrhunderts zu rekonstruieren, in denen leichte und schwere Muse noch Hand in Hand gingen. Und dafür wäre ja das Staatsorchester Braunschweig hervorragend geeignet. Doch zunächst blieb es bei der Trennung, nur Weller stellte in seinen informativen Conférencen solche Zusammenhänge her.
Das Orchester spielte unter der gewohnt schwungvollen Leitung von Generalmusikdirektor Alexander Joel so brav wie freudvoll einen Hit nach dem anderen, unterstützt von einem mikrofonverstärkten Sängerquartett des Opernensembles. Die Stimmen klangen so leider sehr nach Lautsprecher, irgendwie verfremdet.
Ob nun Heubergers „Chambre séparée“ aus der Operette „Opernball“, „Da geh ich zu Maxim“ aus Lehárs „Lustiger Witwe“ oder gar „Das Studium der Weiber ist schwer“, Ekaterina Kudryavtseva, Milda Tubelyte, Arthur Shen und Orhan Yildiz versuchten auch szenischen Charme hineinzulegen.
Natürlich waren auch einige unbekanntere Werke wie Strauß Sohns mottogebender Walzer „Bürgersinn“ im Programm oder der etwas gemächliche Walzer „Das Leben ein Tanz“. Also Joel am Pult tanzt da ausgelassener. Hey - das Leben, ein Tanz! Da hatte sich der einstige Revolutionsanhänger aber ganz schön geschickt in die k-u-k-Mentalität.
Und ob Linckes „Berliner Luft“ (mit rhythmischen Zuschauer-Pfiffen) oder Kollos „Solang noch untern Linden“, im Berlin des frühen 20. Jahrhunderts ging’s dann doch schon turbulenter zu. Das Orchester legte sich mächtig ins Zeug, das Publikum applaudierte kräftig.Und so kam es auch zu den versprochenen Zugaben: Vorspiel zum 3. Akt „Lohengrin“ und „Brindisi“ aus „La Traviata“, die in diesem Sommer auf dem Burgplatz gespielt wird.
