Heute erscheint Bosses neues Album

Braunschweig  Heute erscheint das sechste Studio-Album des Braunschweigers. „Engtanz“ klingt rockig und dennoch nachdenklicher als der Vorgänger.

Axel Bosse (35).

Foto: Nina Stiller

Axel Bosse (35). Foto: Nina Stiller

Ein Erfolgsalbum bedeutet Genugtuung und Bürde zugleich. Das gilt auch für Bosse, den wichtigsten Popmusiker der Region. Vor drei Jahren kam „Kraniche“ heraus, das ihm mit Hits wie „Schönste Zeit“ endgültig den Durchbruch brachte. Entsprechend hoch liegt die Messlatte für den Nachfolger „Engtanz“, der heute erscheint.

Den Kreativitäts-Druck, die Aufmerksamkeit, die auf einem Popstar lastet, macht Bosse auf „Engtanz“ zumindest indirekt zum Thema. Der Einstiegssong „Außerhalb der Zeit“ handelt von der Sehnsucht auszusteigen, von Fluchtpunkten wie „Amrum im Dezember“, „maximales Nichts, minimales Ich, nur Leselicht“.

„Dein Hurra“ ist eine Ode an einen lebensklugen Lieblings-Menschen und durch Gegenüberstellung mit dem lyrischen Ich zugleich ein kritisches Selbstporträt: „Du ziehst meiner Scheißangst / mit deinem Schwung die Ohren lang und klatschst sie an die Wand. / Mein Selbstmitleid kaust du wie Dessert / und kippst drei Gläser Kummer hinter.“

So nachdenklich geht es weiter. „Steine“ dienen im gleichnamigen Song als Metapher für persönliche Altlasten, alte Schuld, ungeklärte Fragen, denen man sich irgendwann stellen muss. Immerhin: Der Sänger packt das jetzt selber an.

„Ich grabe im Geröll mit beiden Händen / meine Finger taub, die Augen brennen / baue mir Berge aus Schmerz und Fragen / sollen sie mich unter sich begraben.“ Das klingt noch düster, doch Bosse zieht es durch – „Ich sitze auf dem Bett und esse Steine / bis ich fertig bin, lasst mich damit alleine“ –, und schließlich schimmert wieder Licht durch das Geröll.

„Steine“ ist auch die erste Single-Auskoppelung und musikalisch eine typische Bosse-Nummer. Zu Beginn rahmen nur Keyboard und Streicher den Gesang; dennoch entwickelt der Song schnell einen starken Sog. Eine durchgehende Bass-Drum treibt ihn voran, E-Gitarren und das komplette Schlagzeug steigen ein, allerdings nicht im klassischen Rockbeat, sondern in drängendem Marschrhythmus. Wenn der Text besonders lyrisch wird, pausiert die Rhythmus-Fraktion, um dann um so intensiver Fahrt aufzunehmen. So fügt Bosse Elemente von Pop, Chanson und Singer-Songwriting zu einer eigenen Melange zusammen, deren Grundlage Rock bleibt, angetrieben vom kraftvollen Schlagzeug.

Während „Kraniche“ einen sehr offenen, natürlichen Klang hatte, wirkt „Engtanz“ durchproduzierter, spielt mehr mit Sounds und Effekten. Einen herausragenden Hit wie „Schönste Zeit“ enthält das Album nicht. Die Grundstimmung ist verhaltener, nicht düster, aber doch nachdenklich. Das größte Hit-Potenzial hat vielleicht der Titel „Blicke“, mit coolem Basslauf in der Strophe und einem kraftvoll aufgehenden, leidenschaftlichen Refrain.

„Meine Idee war, den Abschied von der Jugend zum Thema des Albums zu machen“, sagte Bosse im Gespräch mit unserer Zeitung. „Das erschien mir ganz passend, mit 35 Jahren, nachdem ich in der letzten Zeit einige Freunde verloren habe, die etwas wilder gelebt haben als ich.“

„Engtanz“ reicht nicht ganz an den großen Vorgänger „Kraniche“ heran, ohne deshalb zu enttäuschen. Bosse hält sein Niveau, es gibt nur wenige Titel wie „Insel“, die eher nach Füllware klingen. Seine sechste CD mag eine Zwischenstation sein, ein Durchatmen, bevor der 35-Jährige zum nächsten großen Wurf ansetzt.

Am 20. August spielt Bosse am Raffteich Braunschweig. Karten ab 39 Euro u.a. unter (0531) 1 66 06.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Captcha
    Weitere Artikel aus diesem Ressort