Tokio Hotel haben wieder Lust zu rocken

Hamburg  Die Zwillinge Bill und Tom Kaulitz (25) sprechen über das erste Album ihrer Band Tokio Hotel seit fünf Jahren.

Die Zwillinge Bill (links) und Tom Kaulitz (25) von der Band Tokio Hotel.

Foto: dpa

Die Zwillinge Bill (links) und Tom Kaulitz (25) von der Band Tokio Hotel. Foto: dpa

Tokio Hotel waren eine der erfolgreichsten Bands Deutschlands, doch seit fünf Jahren leben die Frontmänner Bill und Tom Kaulitz in den USA – jetzt kehren sie mit dem neuen Album „Kings of Suburbia“ zurück. Claudia Thaler traf die Zwillinge.

Warum hat es so lange gedauert mit dem neuen Album?

Bill: Tom und ich sind nach Amerika gezogen, und dann wollten wir erstmal unser Privatleben auf die Reihe kriegen. Erst ganz langsam haben wir wieder angefangen, ins Studio zu gehen. Viele Leute bringen ja ein Album nach dem nächsten heraus, das finden wir irgendwie unnatürlich.

Haben Sie auch die Inspiration für das Album in den USA gefunden?

Bill: Genau. In Deutschland konnten wir nicht raus, konnten gar nichts machen, wir waren so eingesperrt, dass wir dachten: Wo sollen wir jetzt die Inspiration noch hernehmen? Wir konnten das erste Mal wieder anfangen zu leben. Und aus dem Leben kommt natürlich die Inspiration.

Sie haben sich ja sehr unwohl gefühlt in Deutschland. Wollen Sie sich das dann wieder antun?

Bill: Nein, wir kommen ja nur nach Deutschland, um hier aufzutreten. Ich liebe Deutschland, ich bin hier total gerne. Ich kann aber hier nicht dauerhaft leben.

Wie hat sich die Musik geändert?

Bill: Das Album ist sehr inspiriert von der neuen Freiheit. In den USA hatten wir das Glück, dass wir einfach rausgehen, feiern, in Clubs gehen, auch mal abstürzen konnten.

Tom: Für uns war es einfach auch ein Luxus, Zeit zu haben, Musik zu machen. Vorher war das immer so eine Hetze, zwei Wochen wurde irgendwo ein Studio gebucht und dann musste man ganz schnell schreiben und aufnehmen. Jetzt haben wir mal die Zeit, Musik zu machen, weil wir Lust darauf haben und nicht, weil wir müssen. Das hat das Album auch extrem musikalisch beeinflusst.

Ihre Fans von damals sind ja jetzt auch Mitte Zwanzig und keine kreischenden Mädchen mehr.

Tom: Die können ja auch mit Mitte Zwanzig noch kreischen. Wenn sie mich sehen, auf jeden Fall.

Aber wollen die Sie noch hören?

Bill: Wir sind ja nicht ins Studio gegangen, um das jetzt für eine bestimmte Zielgruppe zu machen. Wir wollen einfach das machen, was wir selber gut finden.

Tom: Unsere Zielgruppe sind Leute mit gutem Musikgeschmack.

Die Erwartungen an das neue Album sind sehr hoch, das ist ja auch ein großes Risiko.

Bill: Als wir damals gesagt haben, wir machen nichts mehr, haben alle gesagt, das ist „Career Suicide“. Sowas muss man ausblenden. Wir wollten jetzt nicht nur ein neues Album machen, um im Gespräch zu bleiben. Sondern weil es sich gut und richtig anfühlt.

Sie sind seit 14 Jahren gemeinsam unterwegs. Bestand auch die Gefahr, dass Sie nicht mehr miteinander arbeiten wollen?

Bill: Das klingt bei uns immer ein bisschen kitschig, aber wir vier kennen uns, seit wir klein sind. Wir sind so eingespielt, da gibt es keine Überraschungen mehr.

Tom: Wir sehen uns auch Monate nicht und dann ist trotzdem alles wie früher. Uns gibt es seit 14 Jahren, und uns wird es auch die nächsten 14 Jahre geben.

Mit den zunehmenden Kreischereien hätten Sie ja auch die Live-Konzerte einstellen können. Wäre das eine Option gewesen?

Bill: Wir haben genau deswegen eine Pause gemacht. Ich konnte den Namen Tokio Hotel nicht mehr hören. Wir hatten alles erzählt, immer das gleiche gemacht und immer gleich ein neues Album hinterhergeschossen. Da gab es keine Balance mehr. Wir mussten eine Auszeit nehmen.

Tom: Jetzt haben wir wieder Bock und gleich drei Videos gedreht.dpa

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