Jan Josef Liefers ist vernarrt in die Nacht

Braunschweig  „Tatort“-Star Jan Josef Liefers kommt mit seiner Band ins ausverkaufte Braunschweiger Kulturzelt. Im Interview spricht er über sich und seine Musik.

Der Schauspieler Jan Josef Liefers tritt am Dienstag als Sänger im Braunschweiger Kulturzelt auf. Das Konzert ist bereits ausverkauft.

Foto: dpa

Der Schauspieler Jan Josef Liefers tritt am Dienstag als Sänger im Braunschweiger Kulturzelt auf. Das Konzert ist bereits ausverkauft. Foto: dpa

Der 50-jährige Jan Josef Liefers gehört zu den gefragtesten Schauspielern des Landes („Tatort“) – und brennt für die Musik. Das neue Album „Radio Doria – Die freie Stimme der Schlaflosigkeit“ wartet auf mit tiefgründigen Liebesliedern, psychedelischen Popsongs, geheimnisvollen Geschichten aus der Nacht und Liefers’ samtig-rauer Stimme. Olaf Neumann traf den singenden Schauspieler in Berlin.

Anfang Januar sagten Sie in einem Interview, dass Sie sich nach Langeweile sehnten. Haben Sie sich in diesem Jahr schon gelangweilt?

Nein, das ist nach wie vor eine unerfüllte Sehnsucht. Die Zeiten der Langeweile liegen ziemlich lange zurück. Da entstanden aber auch immer die besten Ideen. Du lebst so in den Tag hinein, du träumst rum, beobachtest, hast Zeit zu lesen, hörst Musik, kannst dich in ein Gemälde vertiefen. Manchmal würde ich mich gern mal wieder langweilen, aber nur, um die Batterien aufzuladen.

Wie muss man sich Ihr Leben vorstellen: tagsüber Filme drehen, nachts Songs schreiben?

Unser Album heißt „Radio Doria – Die freie Stimme der Schlaflosigkeit“. Es ist das Radio im Kopf. Ich wollte der Schlaflosigkeit mal was Gutes abgewinnen. Die Nacht ist nämlich eine tolle Zeit, eigentlich schade, dass man sie komplett verpennt. Tagsüber gibt es dagegen viele Dinge, die man getrost hätte verpennen können.

Viele Menschen haben Angst vor der Nacht? Sie auch?

Alle Sorgen, alle Probleme, aber auch die Glücksgefühle werden nachts zehnmal so groß. Diese magische Zeit gehört einem ganz allein. Den ganzen Tag gelingt es dir, dich mit Aufgaben zuzumüllen, um die Dinge, die dich vielleicht eher beschäftigen sollten, zu verdrängen. Nachts kommen sie aber wie ein Bumerang zurück.

Haben Sie das Album in der Nacht aufgenommen?

Viele Ideen sind nachts entstanden, besonders auch für Texte. Das Aufnehmen der Musik im Studio fand zwischen Mittag und Mitternacht statt. Ein bisschen wie bei den Beatles in den sechziger Jahren: Die ganze Band stand in einem Studio und spielte dreiviertel der Lieder live und ohne Overdubs ein.

Bei den Konzerten mit Ihrer Band Radio Doria gibt es auch Nachrichten und Verkehrsmeldungen. Gehen Sie dabei auf aktuelle Ereignisse ein?

Ja, darum geht es dabei. Es ist aber kein starres Programm, kein Abend ist wie der andere. Und eigentlich nimmt das Publikum starken Einfluss darauf, wie der Abend wirklich wird.

Bei unseren Konzerten gibt es übrigens auch eine Traumtänzerin, die sich von der Realität abkoppelt und von einem Traum zum anderen hüpft.

Krieg in Syrien, im Irak und in der Ukraine – wie viele schlechte Nachrichten vertragen Sie?

Ich kann eine Menge schlechte Nachrichten vertragen, solange es auch ein paar gute gibt. Die findet man selten in der Zeitung oder im Fernsehen. Sie werden eher zwischen Menschen ausgetauscht, die um einen herum sind. Oft braucht es nicht einmal Worte. Viel wichtiger als Geld ist das Gefühl, in der Welt und in der Gesellschaft erwünscht zu sein.

In einem Song heißt es: „Ich habe den Krieg gesehen, er war nicht weit“. Im August 2013 reisten Sie mit dem Fotoreporter Robert King nach Aleppo, um den Leidtragenden des syrischen Bürgerkriegs Lebensmittel zu bringen. Eine Reise, die Ihr Leben verändert hat?

Es war nur ein Tag, das klingt nicht viel, aber mir ist klar geworden, dass wir trotz Nachrichten keine Ahnung haben, was der Krieg für die Menschen dort konkret bedeutet. Es ist schwer, in diesem Konflikt Partei zu ergreifen, und mich interessieren nicht vordergründig politische Analysen, Strategien oder Bündnisverpflichtungen. Das sind Versatzstücke der Weltpolitik. Die interessiert micht nur insofern, als sie unmittelbare Konsequenzen für die Opfer dieses Krieges hat.

Halten Sie als Songschreiber dennoch an einem „Alles-wird-gut“-Ethos fest?

Ja klar. Nicht immer, weil ich es glaube, aber immer, weil ich es hoffe. Manchmal weiß ich gar nicht, worauf sich diese Hoffnung gründet, denn die Welt sieht gerade mal wieder nicht so aus, als wäre das realistisch.

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