Die Puhdys spielen sanfter ihre Lieder

Wolfsburg  Die ehemalige DDR-Rockband Puhdys ist im November 2013 zu Gast im Wolfsburger Congress-Park. Mit akustischen Instrumenten und alten Liedern.

Die Puhdys um Sänger Dieter Birr (zweiter von links) spielten im April 2009 in der Meier Music Hall in Braunschweig.

Die Puhdys um Sänger Dieter Birr (zweiter von links) spielten im April 2009 in der Meier Music Hall in Braunschweig.

Neugier genügt noch immer als Motiv, um die Puhdys im Westen zu hören – Neugier auf „Rock made in DDR“ und 23 Jahre danach. Auch wenn der Westen auf ihrer Akustik-Tour am 13. November 2013 nur wenige Kilometer hinter der ehemaligen innerdeutschen Grenze liegt: im Congress-Park, in Wolfsburg. Die Puhdys sind älter geworden, älter als der erste Arbeiter- und Bauernstaat auf deutschem Boden.

Die Puhdys, deren Name sich aus den Anfangsbuchstaben der Gründungsmitglieder ableitet, sind sich treu geblieben. Sie haben, ausgebildet in der Spezialklasse für Tanzmusik an der Musikschule Berlin-Friedrichshain, seit ihrem ersten Konzert am 19. November 1969 im sächsischen Freiberg nichts von ihrer Vitalität und ihrem Aufbegehren eingebüßt. Der DDR fiel es schwer, sich auf Rockbands einzulassen, sie waren „kein Liebling der Nation, aber in der Sowjetunion“. Und sie machen weiter „bis zur Rockerrente.“

In immer wieder wechselnden Lichterkegeln und Leuchtfarben machen Peter „Eingehängt“ Meyer, Dieter „Maschine“ Birr, Dieter „Quaster“ Hertrampf, Klaus Schwarfstedt und Peter „Bimbo“ Rasym seit also 43 Jahren guten, eingängigen Rock 'n' Roll mit anspruchsvollen deutschen Texten, ein wenig Anleihen in der Klassik (Emerson, Lake and Palmer); so heavy wie Led Zeppelin; hart und kompromisslos wie Deep Purple; laut, geradlinig und vital wie Uriah Heep. Nach wie vor kraftvoll, aussagestark und laut.

Die Puhdys haben sich längst von ihren Vorbildern aus den 60er-Jahren gelöst, ihren eigenen unverkennbaren Stil geprägt. Die Songs sind vertraut: „Geh’ zu ihr“ aus dem auch im Westen bekannten Defa-Film „Die Legende von Paul und Paula“ oder „So alt wie ein Baum“, dann die neueren Lieder wie über den „Teddy“ in den reißenden Fluten der Elbe 2002.

Mit Kapitalismus-Kritik sparten sie auch nicht. Überlebensgroß wie einst die Stalin-Statuen in der DDR ließen sie 2003 während ihres Konzertes nahe Helmstedt einen adretten Papp-Mann, gekleidet ganz in Weiß, zu den Klängen einer Orgel über die Bühne wandern: „Ich bin euer Gott. Ich sammle eure Scheine ... “ Vorher, zum Beispiel im Februar 1977 im Kieler „Ball Pompös“, hat noch Ost-Berlin die Scheine eingesammelt. Gegen harten Devisen, gegen D-Mark (West) spielten die Puhdys sorgfältig abgeschirmt und bewacht im „kapitalistischen Ausland“.

Auch diesmal werden wieder neue Songs zu hören sein, von der Liebe und Sehnsucht, von geplatzten Träumen und auch von der Wut im Bauch. Geradezu, schonungslos und echt. Und softer, sanfter, da Perlenfischer, Hiroshima oder Aus der Tiefe des Herzens nur mit Akustik-Instrumenten gespielt werden.

Noch dazu lassen sich die Puhdys von ihren Söhnen begleiten. Andy Birr an der Gitarre und Nick Scharfschwerdt an diversen Percussions-Instrumenten schaffen die Verbindung zur neuen Generation. Günther Hertrampfs Sohn Sven spielt übrigens in der Drumperformance „Stamping Feet“, in der früher auch Scharfschwerdt-Sohn Nick spielte. Der Sohn des Band-Seniors, Peter Meyer, also Hendrik Röder ist Bassist der Popband „Bell, Book & Candle“.

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