Leipzig feiert mit Lessing und Leibniz
2009-07-16T22:00:00+0200Wolfenbüttels Bibliothekare studierten einst an der heute 600-jährigen Universität
Vielleicht war es ja die Grenzlage: "Aus dem Kinderzimmer habe ich schon immer in die DDR geguckt", sagt Björn Kiehne. Zum Studium machte der gebürtige Bad Harzburger im Jahr 2000 dann rüber – nach Sachsen. "Die Universität und die Stadt Leipzig waren eine gute Wahl", sagt der heute 36-Jährige, der inzwischen als Erwachsenenpädagoge an der Technischen Universität Braunschweig arbeitet.
Seine alte Universitätstadt hat er trotzdem nicht vergessen. "Ich versuche einmal im halben Jahr nach Leipzig zu kommen", sagt Kiehne. In diesem Jahr gibt es dazu besonders viel Anlass: Die Universität Leipzig feiert ihr 600-jähriges Bestehen und ist somit die nach Heidelberg zweitälteste Universität Deutschlands. Seit 1409 gibt es einen fortwährenden Lehrbetrieb.
Dieses Jubiläum feiern die Sachsen mit Konzerten, Ausstellungen und der schrittweisen Eröffnung des Campus-Neubaus im Stadtzentrum. In diesen Tagen ist die zentrale Jubiläumsausstellung eröffnet worden, Titel: "Erleuchtung der Welt – Sachsen und der Beginn der modernen Wissenschaften". Schwerpunkt sind die geistesgeschichtlichen Neuerungen des 17. und 18. Jahrhunderts.
"Die Zeit der Aufklärung in den Vordergrund zu rücken, liegt für eine Universität nahe", sagt Leipzigs Uni-Rektor Franz Häuser. Zumal wenn damit Namen wie Gotthold Ephraim Lessing und Gottfried Wilhelm Leibniz verbunden sind. Beide haben an der Universität studiert, sind dann hinaus in die Welt gegangen und gelten bis heute als wichtige Säulen der deutschen Geistesgeschichte. Und: Beide waren lange Jahre Bibliothekare der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel.
Von Leibniz ist in Leipzig unter anderem eine Rechenmaschine zu sehen, die er in den 1670er Jahren entworfen hat und an deren Bau sich auch Helmstedter Feinmechaniker versucht haben. Vollständig funktioniert hat sie damals nicht. Der jetzt ausgestellte Nachbau arbeitet zwar richtig – im Gegensatz zu einer sogenannten Elektrisiermaschine, an der man sich einen Schlag holen kann, darf man ihn aber nicht ausprobieren.
Unter den 700 Ausstellungsstücken befindet sich auch ein Exemplar der "Einkommenden Zeitungen" aus dem Jahr 1650 – der ältesten Tageszeitung der Welt, die 41 Jahre nach der ältesten erhaltenen Wochenzeitung, dem Wolfenbütteler Aviso, erschien.
Für den Braunschweiger Björn Kiehne steht fest: Er will sich die Ausstellung angucken – beim nächsten Besuch in seiner alten Studentenstadt.
Bis 6. Dezember im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig, Altes Rathaus am Markt, geöffnet Di.-So. 10-18 Uhr.

