Kabarett in Wolfsburg – Politisch und bissig
Wolfsburg Die Kabarett-Saison im Galerie-Theater hält für Freunde der scharfen Zunge einiges bereit – inklusive Menschen, die wissen wovon sie reden.
Humor, Haltung und Hirn vereint Anny Hartmann, bescheinigen ihr Kritiker. Wenn sie also fragt „Schwamm drüber?“, dann dürfte ein scharfsinniger Jahresrückblick auf 2012 am Freitag, 11. Januar, 20 Uhr, im Galerie-Theater zu erwarten sein. Politisch, schonungslos, komödiantisch und voller Wissen um die wirtschaftlichen Zusammenhänge. Denn Anny Hartmann, geboren 1970, hat Volkswirtschaftslehrer studiert und fünf Jahre bei der Kölner Sparkasse gearbeitet.
Im Sommer 2003 nahm sie nach eigenem Bekunden „Abschied von allen Versuchen, ein bürgerliches Leben zu führen“ und steht seitdem auf der Kleinkunstbühne. Mit Erfolg. 2011 erhielt sie die St. Ingberter Pfanne. Anny Hartmann spricht aus, was sie erheitert oder was sie wütend macht.
Anny Hartmann eröffnet damit das Kabarett-Programm 2013 im Galerie-Theater. Die Kleinkunstbühne unter der Leitung von Christel Rothe bleibt der politischen Satire verpflichtet. Und nach der Eröffnung durch eine Frau geht es in dieser Saison auch sogleich mit einer Frau weiter. Politisch, versteht sich. Mia Pietroff und Thilo Seibel unterziehen sich einem politischen „Jahreswechselbad“ 2012.
Politisch bleibt es. Dafür stehen Gerd Hoffmann, Robert Griess und vor allem die Mindener Stichlinge. Sie kommen wieder, wie gewohnt im Mai, aber nicht zum Saisonschluss. In neuer Besetzung widmen sich die Stichlinge dem Wahljahr 2013: Kirsten Gerlhof, Jana Löschner, Annika Lindemann, Rolf Oesterwinter und Rolf Berkenbrink, unterstützt von Pit Witt am Klavier.
Das Klavier, es steht ansonsten ziemlich weit links unterhalb der Bühne, nutzen 2013 auch Henning Schmidtke und Matthias Brodowy. In einer aktualisierten Wiederholung beteuert Schmidtke erneut: „No Wumme, no cry“, keine Waffe, kein Geschrei in Abwandlung des Songs von Bob Marley. Schmidtke singt, rappt und stellt dumme Fragen: Wohin tragen die Leistungsträger die ganze Leistung? Welche Kinderlieder sollten erst ab 18 sein?
Mathias Brodowy kommt auch nicht ohne das Klavier aus, wenn er sich in seinem achten Programm unter dem Titel „Kopfsalat“ im Galerie-Theater als hoffnungsloser Chaot offenbart. Und Ludger Kusenberg weiß, wer an allem schuld ist: die Medien. Armut, Sprachverfall, das Wetter – „RTL ist alles schuld!“ Nun denn.
Dafür erfüllt Desimo, der im Galerie-Theater zuerst die Wolfsburger Kleinkunstbühne betrat, Wünsche, die das Publikum zuvor gar nicht hatte. Vermutet Desimo jedenfalls. Das beginnt damit, dass Desimo in seiner Person einen Magier, einen Comedian und einen Kabarettisten zu vereinen versteht. Die Wolfsburger wissen das zu schätzen. Sie kennen Desimo nur zu gut– inzwischen von vielen Auftritten in ihrer Stadt, aber auch im Fernsehen.
Zu Ende geht die Saison mit Philipp Weber. Er ist, wie Anny Hartmann, ein Kabarettist, der weiß, wovon er spricht: ein studierter Chemiker. So macht er sich auf, über die politische Dimension des Essens zu sprechen, den Verbraucherschutz zu thematisieren, denn „Futter“, so sagt er, sei „eine satirische Magenspiegelung“.



