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Kultur

Genau die Musik für den Spätsommer

Die Gruppe "Ich + Ich" mit Sänger Adel Tawil beim Freiluft-Konzert im Braunschweiger Raffteich-Bad

Martin Jasper

Der Sommer hatte in seinen letzten Zügen noch einmal einen Abend aus dem Bilderbuch spendiert. Der Himmel spielte vom sanften Orange übers Violett ins tiefe Tintenblau. So muss das sein.

Denn die Musik von "Ich + Ich" ist wie die Performance des Wuschelkopfs mit Lederjacke namens Adel Tawil geprägt von einer entspannt sommerlichen Atmosphäre, von einer ins Melancholische spielenden Heiterkeit, von der oft so schwierigen Leichtigkeit des Seins. Motto: "So soll es sein, so kann es bleiben".

Schon schade, dass das zweite Ich der Band, Annette Humpe, nicht mit von der spätsommerlichen Landpartie im Braunschweiger Raffteich war. Man hätte sich gefreut auf ein Wiedersehen mit der Diva der Neuen Deutschen Welle.

Aber Tawil ist sofort Chef im Ring – mit seinem knuffigen Charme, mit seiner lässigen, unaufdringlich geschmeidigen Körpersprache und einer Stimme, die zwar keine besondere Färbung hat, aber in den Balladen von weicher Fülle ist und sich problemlos auch über einen harten Rock-Teppich emporschwingt.

Ich + Ich klingen live erheblich härter als auf ihren CDs. Das ist kein Nachteil, weil der treibende Sound der sieben Musiker – mit wuchtigem Bass, zwei filigranen Gitarren und zwei etwas blassen Hintergrund-Stimmen – den Stücken eine rockige Erdigkeit verleiht und jegliche Sentimentalität austreibt. Dennoch sind die unkomplizierten, aber zuweilen schön poetischen Texte ganz gut zu verstehen.

Was freilich an diesem Abend nicht zwingend notwendig gewesen wäre. Denn ein Großteil der 6000 Fans vor der ausverkauften Freilicht-Bühne sangen ohnehin das Meiste mit – ohne dass Tawil sie dazu hätte auffordern müssen. Dazu mischten sich Feuerzeuge, Wunderkerzen und Leuchtstäbe ins abendliche Farbenspiel. ,Stimmungsvoll’ ist ein lahmes Wort. Aber es trifft.

Tawil besingt das Unbegreifliche einer verlorenen Liebe ("Wie konnte das passieren?"), ausgehöhlte Männerbilder ("Stark"), eingekapselte Traurigkeit ("Lass mich dich trösten"), heroische Einsamkeit ("Felsen im Meer") oder ewige Liebe ("Wenn ich tot bin"). Alles nicht rasend originelle Themen der Rockpop-Poesie, aber zumeist wird das Klischee umschifft und manchmal auch gegen den Strich gebürstet. Und immer mal wieder gelingen kleine schöne Sprachbilder wie "Mein Leben fließt durch die Nacht wie der Regen".

Ich + Ich – das war sicher kein Mega-Event. Eher ein sympathisch solides Konzert glaubwürdiger Musiker. Nachdem die Zugabe "Vom selben Stern" unterm samtschwarzen Himmel aus geschätzt 4000 Kehlen verklungen ist, geht man irgendwie beseelt in die Nacht hinaus.

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Veröffentlicht: 31.08.2008 - 22:35 Uhr
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