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Kultur

Die Rapper des Mittelalters

Forscher Lothar Jahn erklärt den Minnesang  – CD zum Braunschweiger Festival

Andreas Berger

Nun ist die CD da zum großen Minnesang-Wettbewerb, den die Stadt Braunschweig im Otto-Jahr ausgelobt hat. Zusammengestellt vom Minnesang-Experten Lothar Jahn, bringt sie einen Querschnitt durch die verschiedenen Interpretationsweisen mittelalterlicher Musik.

Bewusst wurden Minnelieder, die der Liebe gewidmet sind, und politische Sangspruchdichtung zusammengestellt. "Der berühmte Sängerkrieg auf Wartburg war zum Beispiel ein Wettstreit im politischen Sangspruch", erläutert Jahn. Auch wenn Richard Wagner ihn im "Tannhäuser" zum Wettkampf um den schönsten Minnepreis umgedichtet habe.

"Wir betrachten das Mittelalter ohnehin stark durch die romantische Brille. Damals wurde der Sangspruch sogar höher geschätzt, aber die Romantik verengte den Blick ganz auf das Frauenlob."

Die meisten Minnesänger beherrschten beides, etwa Walther von der Vogelweide, der lange im Dienst Ottos IV. stand und sich in seinen Sangsprüchen politisch für ihn engagierte. Bei den Sangeswettbewerben des 12. Jahrhunderts wurde das Thema oft erst am Abend ausgegeben. "Die Sänger mussten spontan dichten wie beim Rappen", so Jahn.

Die Herrscher mussten gewandt sein im Kampf und in den Künsten. Richard Löwenherz habe ein zu Herzen gehendes Lied über seine Gefangenschaft gedichtet, auch Otto war ein anerkannter Sänger. Frömmigkeit, Bildung und "Milte", also Freigebigkeit, gehörten zu den Herrschertugenden, betont Jahn. Wenn etwa einer seine Künstler nicht gut bezahlte, bekam er einen satirischen Vermerk vom Sänger, das war peinlich für ihn.

Und wie war es mit dem erotischen Gehalt der Minnelieder? "Tochter und Frau des Fürsten wurden erotisch gepriesen, aber nur als Fiktion, als Sehnsucht. Und sehr stilisiert, ja fast klischeehaft, etwa stets mit rosafarbenen Wangen. Als Walther mal das Klischee brach und behauptete, er habe eine Frau ganz nackt gesehen, gab es großen Skandal, obwohl er die Körperteile nicht mal benannte", berichtet Jahn. Neidhart ging um 1210 schon weiter, wurde mit dem "Gimpel" recht pornografisch, doch zu der Zeit war das plötzlich möglich. Auch der Tannhäuser erkundete den Venusberg.

Über die musikalische Form ist die Forschung uneins. "Lieder wurden nur mündlich übermittelt, von jedem etwas verändert, bis es irgendein Mönch aufschrieb. Ohne Rhythmus und Instrumentierung", erklärt Jahn. Doch finden sich in den Liederhandschriften Abbildungen von Spielleuten, so dass man von Begleitung mit Trommeln, Lauten, Fiedeln oder Schalmeien ausgehen könne. "Auf Reisen trugen die Sänger auch a cappella oder nur zur Laute vor."

Die professionellen Minnesänger, die vom 15. bis 18. Oktober in Braunschweig antreten werden, bieten, auch auf der CD, eine unterschiedliche, meist jedoch rhythmisch pointierte Aufbereitung. Für den Wettbewerb "Minne meets – Braunschweigs schönstes Liebeslied" am 17. Juli sind dagegen ausdrücklich moderne Formen erlaubt. "50 Amateure aus ganz Deutschland haben sich bislang beworben", berichtet Jahn. Bis 31. Mai läuft die Anmeldefrist. Die CD soll helfen, den historischen Hintergrund dieser Liebesdichtung zu erfahren.

Die CD gibts bei der Tourist-Information für 10 Euro. Texte und Ausschnitte unter www.minnesang.com/her-keiser

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Veröffentlicht: 07.05.2009 - 22:00 Uhr
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