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Kultur

Die neue Härte im Alter

BAP rockten gestern Abend vor mehr als 1200 Fans im Braunschweiger Jolly Joker

Florian Arnold

Die meisten Menschen werden milder im Alter. Wolfgang Niedecken wird härter, dem Hören nach. Jedenfalls zimmert er mit seiner Band BAP gestern ein ziemlich kantiges, derbes Rockbrett für die mehr als 1200 Fans im Braunschweiger Jolly Joker zusammen.

"Viele Songs vom Unterwegssein" werde er den Abend über spielen, schnoddert der Sänger eingangs in die dicht gedrängte Menge der Getreuen mittleren bis mehr als mittleren Alters. Nun steuert Niedecken offenbar andere Reiseziele an als die meisten seiner arrivierten Kollegen. Nord-Uganda etwa.

"Da habe ich beobachtet, wie sich abends Hunderte von Kindern in geschützte Camps von Hilfsorganisationen begaben, aus Angst, entführt und zu Kindersoldaten zu werden", erzählt der 57-Jährige.

Gut, dass er das vorher erzählt, denn als der Song "Noh Gulu" loskracht, versteht man vom Text, sowieso kölsch mundartlich codiert, nicht mehr viel. Dafür flackern über die Leinwand im Bühnenhintergrund grobkörnige Filmaufnahmen junger Afrikaner in tristen, staubigen Landschaften. Vermutlich hat die hörbare Härte auch mit solchen Reiseerfahrungen zu tun.

Zum Attentat von Winnenden äußert sich der Mann, dem manche vorwerfen, sich stets allzu gutmenschlich über praktisch alles zu äußern, gestern übrigens nicht.

Zwischendurch schalten BAP ein paar Gänge zurück. Die Geigerin Anne de Wolff ergänzt die fünfköpfige Band um Niedecken und den fähigen Gitarristen Helmut Krumminga, die nun folkige Klänge anschlägt. Dann spielt der Meister, schwarz gekleidet, mit weißem Cowboyhut und Augenringen geschmückt, eine Solonummer, "Für ne Moment". Eine Ode an seine kölsche Mundart: "All meine Gedanken, all meine Gefühle habe ich immer noch ausgelebt, oder ertragen, in unserer eigenen Sprache", heißt es darin hochdeutsch übersetzt. Klingt putzig konservativ. Hätte man dem Mann gar nicht zugetraut.

Die Fans sparen schon bei Stücken aus dem aktuellen Album "Radio Pandora" nicht mit Applaus. Bejubelt werden die alten Hits wie "Ne schöne Jroos" oder "Kristallnaach", das die Band wieder verdammt krachig rausknallt.

Trotz der Härte: Es ist handwerklich starker, aber trotzdem ziemlich altbackener Rock, den das Kölner Quintett rüberbringt. 33 Jahre gibts BAP jetzt schon, oder vielmehr Mastermind Niedecken mit alle paar Jahrzehnte wechselnden Musikern.

Die eingeschworene Fangemeinde ist froh, dass er noch da ist. Sie würde ihn vermutlich auch für ein schlechteres Konzert feiern. Das gestern war ein besseres.

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Veröffentlicht: 13.03.2009 - 00:00 Uhr
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