Die Geige des Orients
2009-05-18T22:00:00+0200An Ottos Todestag erklingt heute Musik seiner Zeit
Die Instrumente, die Simon Paulus auspackt, ähneln immer irgendwie den unseren heute, sind dann aber doch in vielen Details verschieden. Es sind Nachbauten mittelalterlicher Instrumente, die er mit seinem Ensemble Recercada zur Interpretation der Musik jener Zeit nutzt.
Eine zunächst einstimmig tönende Zeit, wie Paulus erklärt. Der Bordun, ein Dauerton, erklang zum Gesang. Gerade erst kam Mehrstimmigkeit auf, wurde aber in der geistlichen Musik auf seltene Momente und hohe Feiertage begrenzt. "Diesen Effekt kann man sich kaum mehr klarmachen, wenn in dem ewigen einstimmigen Sang plötzlich weitere Stimmen auftreten."
Im Minnesang wurde die Begleitung dann bewegter, doch selten aufgeschrieben. Trotzdem hat sich Recercada ein weites Repertorie erarbeitet, gastiert seit 2004 in ganz Deutschland. Und an Ottos IV. Todestag, heute, 20 Uhr, auch im Braunschweiger Dom, wo Otto begraben liegt. Natürlich spielen sie Musik aus seinem Umkreis. Zwei Lieder etwa, die Walther von der Vogelweide auf den Herrscher gedichtet hat, oder eines seines Verwandten Richard Löwenherz. "Die Adligen waren damals auch selbst im Minnesang ausgebildet", erzählt Paulus.
Er spielt den Rebec. "Das ist der Vorläufer all unserer Streichinstrumente. Ein orientalisches Instrument, das wie viele andere durch die Kreuzzüge in Europa bekannt wurde", erklärt der Musikfanatiker. Der Österreicher blieb nach seinem Architekturstudium in Braunschweig.

