Der Erotik und Exotik Japans erlegen

Wolfsburg  Der Schauspieler Joachim Król und das South of the Border Jazztrio interpretieren Alessandro Bariccos „Seide“ im Theater Wolfsburg.

Joachim Król liest „Seide“ von Alessandro Baricco.

Foto: Rainer Jensen/dpa

Joachim Król liest „Seide“ von Alessandro Baricco. Foto: Rainer Jensen/dpa

Die „Anrufung des Glücks“ im Braunschweiger Dom 2014, die „verlorene Ehre der Katharina Blum“ in der Autostadt 2013, die „Physiker“ 2012 und vor allem die Twain-Lesung für Schüler auf der „Havelland“: Joachim Król hat überzeugt als Schauspieler, das Publikum begeistert mit seiner Vortragskunst. Hier in der Region so wie bundesweit in Film und Fernsehen.

„Seide ist ein sinnlicher, wehmütiger und poetischer Roman ... von schlichter Schönheit.“
Dieter Wunderlich, Rezension der deutschen Übersetzung, 2005

In wenigen Tagen, am Donnerstag, 15. Januar, betritt der 57-Jährige die Bühne im Großen Saal des Congress-Parks, um „Seide“ nach dem Roman von Alessandro Baricco zu rezitieren. Króls virtuoses Stimmspiel stehe im Einklang mit dem feinfühligen, poetischen Sound des South of the Border Jazztrio. Gee Hye Lee (Klavier), Christoph Dangelmaier (Bass) und Ekkehard Rössle (Bass-Klarinette, Saxofon) ergänzen diese Lesung musikalisch.

Damit greifen sie in der Regie von Martin Mühleis auf, was Alessandro Baricco ein Anliegen ist. Der italienische Schriftsteller hat mit der Gruppe Air Lesung und Musik verbunden. Beides ist Baricco ein Anliegen. Er publizierte über Adorno und Walter Benjamin ebenso wie über Rossini oder Neue Musik, ist Musikkritiker und macht Literatursendungen im italienischen Fernsehen.

In diesem Sinne also hat Martin Mühleis Bariccos ersten Erfolgsroman „Seide“ bearbeitet und Christoph Dangelmaier hat dazu passende musikalische Arrangements geschrieben.

„Seide“, im Originaltitel „Seta“, ist eine sinnliche, eine wehmütige und poetische Geschichte, geschrieben in einer einfachen Sprache von sachlicher Schönheit, urteilen Kritiker. Und Joachim Król versteht es, mit großer Ausdruckskraft, stimmlichem Nuancenreichtum, beredter Mimik, alles unterstreichender Gestik und vor allem innerer Anteilnahme szenisch zu lesen. Król identifiziert sich mit seinen Rollen, gleich ob im Film oder in Lesungen, ob als Commissario Brunetti in Donna Leons Venedig-Krimis oder als Kommissar Frank Steiner im Frankfurter Tatort.

Deshalb drehte der Kapitän der Havelland im April 2012 eine 15-minütige Extrarunde auf dem Mittellandkanal, als Joachim Król an Bord des Schiffes Tom Sawyers Abenteuer vortrug. Etwa 60 Schüler im Alter von 10 bis 16 Jahren lauschten Kròl so gebannt, so still, dass der Kapitän die Schleife drehte, damit sie erfuhren, wie’s ausgeht. Und wie wichtig Literatur ist.

Der Einsatz für die Gewinnung junger Menschen für Literatur und Musik ist eine weitere Übereinstimmung zwischen Joachim Król, Martin Mühleis, dem Jazz-Trio einerseits und Alessandro Baricco. „Seide“ spielt im 19. Jahrhundert. Die französische Stadt Lavilledieu schickt im Herbst 1861 den Seidenhändler Hervé Joncour nach Japan, um Seidenraupen zu kaufen. Die die Seidenproduktion in Europa ist aufgrund einer Seuche stark gefährdet. Japans Seidenraupen hat diese Krankheit aufgrund der Abschottung des Inselreiches nicht erfasst.

SERVICE

Seide,

Lesung nach dem Roman von Alessandro Baricco

Joachim Król und das South of The Border Jazztrio

Donnerstag, 15. Januar,

20 Uhr, Theater Wolfsburg

im Congress-Park, Saal

Theaterkasse, Porschestraße Tel. (0 53 61) 26 73 38

Hervé Joncour findet mehr als Seidenraupen: Erotik und Exotik, auch eine Affaire mit einer schönen Japanerin. Jahr für Jahr reist er nach Japan. Es geht um eine unerfüllbare, unvergängliche Liebe, geschrieben mit einer Leichtigkeit, die einem Seidentuch gleicht. Der kanadische Regisseur François Girard verfilmte 2006 den Roman mit Keira Knightley und Michael Pitt in den Hauptrollen. Bariccos 1996 veröffentlichter Roman ist 1997 von Karin Krieger ins Deutsche übersetzt worden.

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