Europas Nachwuchs

Braunschweig  Beim vierten Festival Fast Foreward präsentieren sich wieder junge Regisseure.

Szene aus „Forecasting“.

Foto: Festival

Szene aus „Forecasting“. Foto: Festival

Es gibt sogar richtige Theaterstücke beim vierten europäischen Nachwuchs-Regisseur-Festival „Fast Foreward“ Ende November im Staatstheater! Nicht dass du denkst, jetzt geht’s nur noch medial und postdramatisch und dokumentarisch und interaktiv ab in der jungen Theaterszene! Aber all das gibt es natürlich auch. Und Indianer gibt’s!

Es gehe eben nicht darum, einen Trend des europäischen Bühnenschaffens auszumachen, erklärte die künstlerische Leiterin Barbara Engelhardt gestern bei der Vorstellung des Programms. Auch habe man bewusst kein Thema vorgegeben. „Das Festival reißt die ganze Palette auf!“ Die jungen Regisseure seien dabei zu beobachten, wie sie sich mit der Tradition und den Arbeitsweisen des alten Mediums auseinandersetzten und dabei eigenwillige Handschriften entwickelten.

Sieben Inszenierungen hat sie ausgewählt. Eröffnet wird das Festival am Donnerstag, 27. November, mit dem französischen Zwei-Personen-Objekt-Stück „Champ d’appell“ (Appelplatz) von François Lanel. Es folgt Bert Brechts frühes Drama „Baal“ in ungarischer Fassung. Laut Engelhardt hat Regisseur Daniel Kovács den großen Asozialen in eine dekadent desillusionierte Gesellschaft gestellt.

Das Mitmach-Stück „Rule“ am Freitag spielt mit Fragen zur Migration, welche die Niederländerin Imke Idema dem Publikum stellt. Die „Steppengesänge“ von vier Absolventen der Universität Hildesheim reflektieren auf der Grenze zwischen Dokumentation und Fiktion eine Reise durch die ostsächsische Lausitz, die sich ins Apokalyptische steigert. Am Ende kommen die Indianer...

In der italienisch-kroatischen Performance „Forecasting“ geht es am Sonnabend um You-Tube-Videos. Einen Klassiker der französischen Moderne hat sich der Belgier Mehdi Dehbi vorgenommen. Albert Camus’ „Die Gerechten“ reflektiert die Rechtfertigung des Tyrannenmords.

Florian Fischer, ein Absolvent der Münchner Falkenberg-Schule, verbindet am Sonntag in seiner Psychiatrie-Geschichte „Der Fall M.“ den Fall des Justiz-Opfers Gustl Mollath mit Motiven Ödön von Horváths. Wieder wählt eine Jury einen Regisseur aus, der später eine Inszenierung des Staatstheaters übernehmen darf.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Captcha
    Weitere Artikel aus diesem Ressort