«Man in Black»: Johnny Cash wäre 80 geworden

New York  Johnny Cash hatte starke Schmerzen, konnte kaum mehr sehen und litt an Atemproblemen. Trotzdem schleppte er sich 2003 immer wieder ins Studio, denn er wusste, das ihm nicht mehr viel Zeit blieb: Die «American Recordings» sollten sein Vermächtnis werden.

Johnny Cash bei einem Auftritt in Köln 1994.

Foto: Achim Scheidemann

Johnny Cash bei einem Auftritt in Köln 1994. Foto: Achim Scheidemann

Auch wenn er darauf matt und brüchig klingt: Nirgends fasziniert die Intensität seiner Stimme mehr als auf diesen Aufnahmen. Am Sonntag (26. Februar) wäre der «Man in Black» 80 Jahre alt geworden.

«Er hatte einen unbeugsamen Willen», sagte sein Sohn John Carter Cash, als 2010 das letzte Album dieser Aufnahmen «American VI: Ain't No Grave» posthum erschien. Auch «American V: A Hundred Highways» (2006) war bereits nach dessen Tod herausgekommen. Johnny Cash wollte auch noch weiter machen, als seine geliebte zweite Frau June Carter Cash an den Folgen einer Herzklappenoperation starb. Die unvergessliche Liebesgeschichte zwischen den beiden erzählt der mehrfach preisgekrönte Film «Walk The Line» (2005) mit Joaquin Phoenix und Reese Witherspoon in den Hauptrollen.

Zerrissenheit zwischen Gut und Böse, Licht und Schatten, Schuld und Sühne - das sind die großen Themen, die Johnny Cash in seinen Balladen besingt. Seine zornigen, rebellischen Texte wurden zu Hymnen der hart arbeitenden, einfachen Menschen. Er besang Fließbandarbeiter und Soldaten, Kriminelle und Revolverhelden, sang Hits wie «Daddy Sang Bass» oder «Sunday Morning Coming Down». Seine beiden inzwischen neu editierten Alben von Live-Auftritten in Gefängnissen - «At Folsom Prison» (1968) und «At San Quentin» (1969) - sind bis heute Kult. Gerne trat er in schwarzem Cowboyhemd mit farblich passender Hose auf. «Ich trage Schwarz für die Armen und Unterdrückten, die im Elendsviertel der Stadt leben», erklärt er im Song «Man in Black».

Einer der legendärsten Songs von Johnny Cash entstand übrigens in Deutschland: «Folsom Prison». Cash war Funker auf einem Abhörposten der US-Air Force im oberbayerischen Landsberg am Lech, als er Anfang der 1950er Jahre die bittere Geschichte eines zu lebenslanger Haft verurteilten Gefangenen niederschrieb. «But I shot a man in Reno, just to watch him die» - «Aber ich erschoss einen Mann in Reno, nur um zu sehen, wie er stirbt.» Das ferne Zugsignal erinnert ihn immer daran, dass er nie wieder frei sein kann.

Auch in seinem eigenen Leben hatte der 1932 im US-Bundesstaat Arkansas geborene Cash viele düstere Zeiten. Er wuchs als Sohn eines Baumwollpflückers bitterarm auf. Als sein zwei Jahre älterer Bruder bei einem Unfall mit der Kreissäge stirbt, macht der Vater den kleinen J.R. für den Tod mit verantwortlich - eine Last, die ihn zeitlebens begleiten wird. «Die Düsternis war sicher auch da und begleitete ihn sein Leben lang, aber Dad personifizierte immer auch Hoffnung. Er hat lauter gelacht als jeder Mensch, den ich jemals getroffen habe», sagte sein Sohn Carter Cash einmal in einem Interview.

Nach der Rückkehr vom Armeedienst in Deutschland 1954 gründet Cash mit dem Bassisten Marshall Grant und dem Gitarristen Luther Perkins das Trio Johnny Cash & The Tennessee Two. Nach einer Single mit «Hey, Porter» und «Cry, Cry, Cry» kommt 1957 die erste LP auf den Markt. Von da an geht es steil bergauf. Der Song «Ring of Fire» wird 1963 ein Welthit. Auch als Schauspieler und Entertainer hat Cash Erfolg. Aber er hält dem Druck nicht stand. Immer häufiger greift er zu Aufputsch- und Beruhigungsmitteln, trinkt zu viel und rastet aus. Im Herbst 1967 ist er ein Wrack.

Doch seiner großen Liebe und späteren zweiten Ehefrau June Carter gelingt es, ihn aus dem Teufelskreis herauszuholen. In den 80er Jahren kann Cash mit dem Projekt «Highwaymen» erneut große Erfolge feiern. Als kaum mehr jemand damit rechnet, gelingt ihm 1994 ein riesiges Comeback, und er gewinnt auch bei der jungen Generation neue Fans. «Die Art, wie wir Musik gemacht haben, war ehrlich», hatte Johnny Cash einmal erklärt. «Wir haben gespielt und gesungen, wie es unserem Gefühl entsprach. Und das sagen zu können, ist ganz schön viel.»

Johnny Cash starb 2003 in Nashville im US-Bundesstaat Tennessee an den Folgen einer schweren Diabetes im Alter von 71 Jahren, nur vier Monate nach seiner geliebten June. Sie sind nebeneinander auf dem Friedhof «Memory Gardens» nahe seinem Wohnhaus in Hendersonville bestattet. (dpa)

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